Der 15. Mai in Neapel.
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damals allerorts die Entschuldigung lautete, Schüsse auf das Militärfielen. Nun war dieses nicht länger zu halten. Drei Kanonenschüsseund die Ansstccknng der rothcn Fahne vom Fort St. Elmo gaben dasZeichen zum Angriff; mit unwiderstehlicher Gewalt drangen die Truppen,vor allem die Schweizer-Regimenter, auf die Aufständischen ein, erstürm-ten, von den für die königliche Sache gewonnenen Lazzaroni unterstützt,eine Barricadc nach der andern, machten über 600 Gefangene, die ansein Schiff in Sicherheit gebracht wurden, und waren noch vor AbendHerren der Stadt. Mitten in den heißen Stunden hatte Ferdinand denFürsten Cariati mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt.Unter den Abgeordneten trat Feigheit an die Stelle des früheren Uebcr-mnths; die schon entworfene Absctznngs-Actc des Königs wurde iu Eilezerrissen, Ferdinand II. ein Lebehoch nach dem andern ansgcbracht;alles stob in Verwirrung auseinander, einige der Compromittirtestcn oderFurchtsamsten entflohen. Tags darauf wurde die Nationalgarde ent-waffnet, am 17. die Auflösung der Kammern und die Einberufung neuerbis 1. Juli ausgesprochen; eine königliche Verordnung sagte die Auf-rechthaltung der Verfassung zu. Von den ciugefangcncn Meuterernwurden neun erschossen, mehrere iu Hast gehalten, die große Mehrzahlwieder in Freiheit gesetzt. Die gegen Oesterreich geschickten Truppenempfingen Gegenbefehle. General Pepe mit einer Abtheilnug derselbenwarf sich nach Venedig, wo ihm die Oberleitung der militärischen Maß-regeln anvcrtraut wurde; die übrigen marschirtcn in ihre Heimat zurück.
Wir sagten früher, daß an einem einzigen Hauptpunkte die Mai-Rcvolntion einen entscheidenden Sieg davongctragcn habe. Es war dicßein unblutiger, der in Wien an demselben 15. Mai erfolgte, wo in Parisder Muth und die Geistesgegenwart Lamartine's die französische Gesell-schaft rettete und wo im Süden Italiens die Anschläge der Umsturzparteidurch die königlichen Truppen vereitelt wurden. Nachdem Ficquelmont,der dem gefährlichen Drängen der Uiberstürzcndcn gegenüber noch einigeFestigkeit entwickeln zu wollen schien, ein großartiges Mißtrauens-Votumin der damals beliebten Form einer Katzenmusik erhalten, 3. Mai, undTags darauf seine Stelle niedergclcgt hatte, war die Leitung der Geschäftein die Hände Pillcrsdorff's gelegt worden. Am II. wurde dieWahlordnung für den bevorstehenden Reichstag knndgemacht. Allein imSchoße der Parteien war man längst über den Standpunkt der octroyirtcnVerfassung hinaus. Am 15. Mai wurde eine Sturm-Petition ver-
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