Druckschrift 
2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

t. 1.gvwiii 1-usUIrl «ijiiuiitiri, rcANnr niiiiiäns!"

weise sein. Gewiß hatten sich die Staaten Europas, seit Oxenstjcrnain jenen kurzen Ausspruch das unerfreuliche Ergebnis; seiner langjährigenstaatömännischcn Erfahrung nicderlegte, über Mangel an kcnntnißreichenund gcscheidten, au klugen und gewandten Lenkern ihrer Geschicke nichtzu beklagen. Es traten zeitweise Pansen ein, aber dafür kamen dannwieder Männer an die Spitze der Geschäfte, deren Wirken den hervor-ragendsten Erscheinungen im Bereiche der Stantsklnghcit angerciht werden muß. Allein die StaatswciShcit, die der berühmte schwedische Kanzlermeinte; jene Weisheit, die sich nicht damit begnügt, Kenntnis; von allenZuständen und Vorgängen zu haben, ihr Wesen mit klarem Blick zudurchdrungen und den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen, sonderndie den berechnende» Blick über die Gunst oder Ungunst des Angenblickcö in eine dauernde Zukunft richtet; die das Leben der Völker undStaaten nicht mit dem Maßstabc von Jahren und Jahrzehenten, sondernmit jenem von Jahrhunderten mißt; die nicht daö vorübergehende Be-hagen des lebenden Geschlechtes, sondern das wachsende und erstarkendeHeil kommender Generationen als Ziel vor Augen hat - diese Weis-heit, sagen wir, muß denn doch nicht das vorwaltcndc Erbthcil jenerReihe vielbcgabtcr Staatsmänner gewesen sein, weil sonst unmöglich diemeisten Länder unseres Wcltthcilcö ans dem Stadium der Anfänge undVersuche, und mitunter der sehr unglücklichen Versuche, noch immer nichtheraus wären. Insbesondere gilt diese Bemerkung von Oesterreich, dessenviclglicdrigcr Ländcrbcstand doch lange kein Problem mehr ist, sonderneine concrcte Realität von ausgesprochenem Gefüge und Gepräge; undinsbesondere gilt sic weiter von jener Staatsknnst, die seit den Jahren1814 und 1815 nicht bloß in unserem Vaicrlande, sondern in allenLändern des europäischen Festlandes zur herrschenden geworden war.

Die langersehnte Bcfrciungsstnnde hatte geschlagen. Der gewaltigeDränger und Bedrücker war zu Boden geworfen. Aber auch die Ra-tion, aus deren Schoß er hcrvorgcgangcu und die ein Vicrtcljahrhnu-dert hindurch erst mit den Häuptern, dann mit den Thronen von Königengespielt, lag gcdcmüthigt zu den Füßen der Sieger. Nicht mehr vonheute ans morgen waren die Tage der Staaten und Völker gezählt undnicht mehr waren Hab und Gut, Haus und Hof, Eigenthum.und Er-werb des friedlichen Bürgers allen Wcchselfällcn bald hier bald dortdrohender oder ansbrcchcndcr Kriege ansgcsetzt. "Rach einem Vierteljahr-Hundert fortwährender Ungewißheit, nnanögcsctzter Stürme und Ans-