Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
480
Einzelbild herunterladen
 

480

Anmerkungen.

99) S. 154. Mau sollte es nicht glauben, mit welchen Schwierigkeiten derSchriftsteller zu kämpfen hat, um die Aufeinanderfolge von Thatsachen festzustellen,die doch scheinbar so offenkundig und zweifellos sind. Aus dem von einem Mitgliededer Deputation herrührendeu Berichte (in einer uns leider nicht mehr erinnerlichenSchrift oder Zeitung) entlehnten wir die Thatsache ihrer Ueberuachtung in den Wag-gons vom 20. zum 21 . Nach dem weitern Inhalte dieses Berichtes aber sollte manmeinen, die Deputation fei gleich am Morgen darauf, und zwar noch in Lundenburg,von Windischgrätz empfangen worden; das ist jedoch unrichtig, da die Thatsache diesesEmpfanges erst am 22. und in Stammersdors feststcht. In derConstitution"Nr. 177 v. 24, S. 1664, findet sich ein Auszug der Gemeinderathsverhandlungeu vom20., wo es heißt:Die an den Kaiser geschickte Deputation berichtet das Resultatihrer Mission" :c. Aber am 20. befand sich die Deputation noch in Olmüz, und dieZister 20 muß daher als ein bloßer Druckfehler statt 2l angenommen werden, umso mehr, da sich S. 1656 auch ein Verhaudluugsbericht des G.-R. vom 20. findetund S. 1664 unmittelbar der vom 22. folgt. Auch der in solchen Dingen über-haupt gar nicht verläßliche Dun der schiebt S. 562 die Kundmachung des Gemeinde-rathes, worin es heißt:Die Deputation ist gestern Abends um 8 Uhr zuriickgekehrt",unter die Ereignisse des 20. ein: allein das dort befindliche Datum vom 20. beziehtsich auf die Zuschrift Wessenberg's, nicht auf die Kundmachung des G.-R., dieselbst nicht datirt ist. Dagegen steht die Berichterstattung Karl's in der Abend-sitzuug des G.-R, vom 21. außer Zweifel, und da derselbe zwar von den Irrfahrtender Deputation in Olmüz erzählt, aber nichts von einem Empfange beim Fürsten inLundenburg erwähnt, so dürfte unsere im Text angenommene Lombiuation die rich-tige sein.

100) S. 157.Judeß weiß ich als Augenzeuge, daß alle Milchmädchen, Eier-träger u. dgl. ungestört und unbeirrt vom Militär durchgelassen wurden, daß aberdas blinde Schießen von der Linie jedermann, oder eigentlich jedes Mädchen, abhieltdaS Leben zu wagen." Const. Bl. a. Böhmen Nr. 111, II. Beil., S. l.

401) S. l57. Schreiben Auersperg's aus Jnzersdorf 21. October an MinisterKraus.

102) S. 157. Der unverwüstliche Humor des Wieners, das gutmüthige ehr-liche österreichische Wesen überhaupt, verleugnet«: sich mitten in diesen ernsten Vorberei-tungen nicht. Der Soldat hielt sich strenge au den Befehl, durch keinen Schuß zumAngriff herauszufordern. Der Wiener Mobile hatte den gleichen Befehl, der Ober-Lommandant, der Gemeiuderath hatten das wiederholt eingeschärft; er mochte dasausdrückliche Gebot nicht übertreten, während ihm doch das langweilige Müßigsteheunicht behagen wollte. So griff er zu allerhand Finten, um den gegeuüberstehendenPosten zum ersten Schuß zu reizen, wo ihm dann niemand wehren konnte, mit demzweiten zu antworten, und dann war dochdie Hetz" fertig. Es wurde ein artigesGeschichtchen erzählt (Oester. Courier" Nr. 256, S 1029:Vorpostenkeckheit"), dessenWahrheit wir nicht verbürgen können, das jedoch immer dem Charakter der handeln-den Parteien zu entsprechen scheint. Ein Wiener Vorposten rückt gegen den kaiserlichenimmer mehr heran, bis er ihm auf Rufweite nahe ist; daun macht der Wiener Gewehrbei Fuß und fordert den Soldaten heraus:Schieß zu, Camerad!" Jener legt anund schießt fehl Jetzt macht der Soldat Gewehr bei Fuß, um dem Volkswehrmannnichts schuldig zu bleiben. Dieser schießt und trifft gleichfalls nicht. Nach diesemerfolglosen Gewehr-Duell gehen beide wieder zurück ohne sich weiter zu behelligen.So auch heißt es inBilder aus Oesterreich" (Leipzig, F. L. Herbig, 1851) S. 169: