442 III- 33. Nachspiel m Lemberg, 1. und 2. November.
Muth genug besessen hatten, ungleich theuerer bezahlen als Wien, wennman einerseits die geringere Ausdehnung der Stadt andrerseits diekurze Zeit des geleisteten Widerstandes in's Auge faßt. Lembergverlor sein großes und schönes Rathhaus; vom Thurm ragten nurdie rauchgeschwärzten Mauern mit dem eisernen Geländer um dieUhr in die Lüfte, die Kuppel mit dem Adler und dem Löwen warherabgestürzt. Das Dach des Hauptgebäudes und das dritte Stock-werk war ganz, das zweite zum größten Theile ausgebrannt, darunterder weite zu Landtagssitzungen bestimmte Saal; ein großer Theilder politischen und Judicial-Registratur, mehrere Bureaux der Staats-buchhaltung mit vielen Privatrechte berührenden Papieren gingen inFlammen auf. Nur der erste Stock und die ebenerdigen Localitäten,stark gewölbt, nach der Straße mit eisernen Gittern und Fenster-läden, nach den iuuern Gängen mit eisernen Thüren versehen, bliebenunversehrt und wurden dadurch die Sparcasse, die Stadt-, Aerarial-steuer- und Depositen-Casse sowie die städtische Tafel gerettet. Vomalten Theater Mt dem Nedoutensaal standen die nackten Wände da;dem Grafen Skarbek, wegen seines Reichthums wie wegen seineruationalökonomischen Kenntnisse berühmt, hatte fünf Tage früher,28. October, ein rechtzeitiger Tod den Schmerz erspart, die Zerstö-rung seiner patriotischen Schöpfung mit ansehen zu müssen. DasHauptschulgebäude war eine Brandstätte, die technische Akademie mitihren Museen und wissenschaftlichen Sammlungen lag in Trümmernund Asche, das Universitätsgebäude war bis auf den Grund ver-nichtet. Im letzteren verbrannten die Modellen-Sammlung, dasanatomische und zoologische Cabinet, das Herbar und eine Bibliothekvon nahezu 40000 Bänden, darunter — ein unersetzlicher Verlust —die werthvolle Tyniec'sche Urkundensammluug und der größte Theilder berühmten Garelli'schen Bibliothek, deren Merkwürdigkeiten, dasie noch im Theresianum zu Wien beisammen war, Oesterreichs größterBibliograph Denis 1780 in einem eigenen Werke beschrieben hatte.Außerdem brannten an fünfzehn Privatgebäude, vorzüglich in deran der Universität hinlaufenden Krakauergasse ab. Einer wunder-baren Windstille, die erst gegen Abend, als die größte Gefahr vor-über war, einem leichten Luftzuge Platz machte, war es zu danken,daß das Feuer nicht schrankenlos um sich griff.
Der Schade, den Lemberg und seine Bewohner erlitten, war