440 HI. 33. Nachspiel in Lemberg, 1. und 2. Nvvembcr.
das Judenviertel, erbrach dort mehrere Eisenhandlungen und nahmalle Sensen in Beschlag, die an Ort und Stelle an Stangen befestigtwurden. Jil die Fenster vieler Häuser wurden Steine, Gefäße mitgegossenem Blei, mit siedendem Wasser gestellt; denn die Aufrührerglaubten sicher, wenn es Ernst werde, würden die Truppen zur Er-stürmung der Barrwaden herankommen. Gegen 11 Uhr mußte end-lich die städtische Deputation erklären, daß sie gegen die Aufhetzereiender Emissäre und der akademischen Legion machtlos sei, und jetzt erstließ Hammerstein die gefährlichsten Geschütze spielen. Eine Raketenach der andern stieg vom Sandberg in die Höhe und fuhr zischendin die Dächer, während Granaten auf dem Pflaster niederfielen undzerplatzend Verderben umhertrugen. Alles rettete sich in die Häuser;die Straßeil, erst tumultuarisch angefüllt, waren fast ausgestorbeu.Auf einmal ertönt der Ruf: „die Universität brennt!" Spritzenwerden herbeigezogeu; einzelne Waghälse klettern auf die benachbar-ten Dächer. Doch immer neue Raketen kommen herangeflogeu undzünden an neuen Orten; der Qualm wird so dicht, daß sich nichtsmehr erkennen noch thun läßt. Schreiend flüchtet das Volk aus denHäusern, wo Verderben droht, wieder auf die Straßen. Einzelnesuchen aus der Stadt über den Wall zu entkommen und gerathendadurch in den Kugelbereich der Soldaten. Am dichtesten drängt essich auf dem Ring, als plötzlich auch hier Feuerlärm erschallt: imNathhause hat es gezündet, schon ergreifen die Flammen den Thurm,der von innen ausbrennt und jeden Allgenblick einzustürzen droht.Immer weiter greift der Brand um sich, die Hauptschule, die tech-nische Lehranstalt, das Hintergebäude des alten Theaters stehen inFlammen, die zu löschen niemand wagen kann. Denn unaufhörlicharbeiten die Geschütze, durch deren Donner herbeigezogen bewaffneteBauernschaaren beritten und zu Fuß durch die Vorstädte dringeil,um zu erfahren, was das heftige Schießen bedeute. Als sie er-fahren, was es gebe, bieten sie sich Hammerstein an, die Stadtzu stürmen und die „Polen" niederzumachen2"«). Der Comman-dirende aber dankt und versichert ihnen, „er hoffe allein mit derStadt fertig zu werden; sie möchten nur in ihre Gemeinden zurück-kehren und Straßen und Wege, Brücken und Stege bewachen, jedenVerdächtigen aufgreifen und unversehrt an die Militärbehörden ab-liefern". Viele eilen mit dieser Botschaft in ihre Dörfer zurück,