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III. 30. BelagermigSzustand.
geschlossen. Auch verschwand in dem weitgedehnten Straßen- undGassennetze derselben das Militär mehr als dieß in der zusammen-gedrängteren inneru Stadt der Fall war, während andrerseits derSoldat da, wo er jeden Fußbreit Bodens blutig erkämpft hatte, sichmitunter herrischer betrug als in andern Quartieren. Man hörtevon Ausschreitungen und Neckereien, nicht immer so harmloser Naturwie die der militärischen Köche im Hofe der Gctreidemarkt-Casernc,die mit erbeuteten Calabresern ans dem Kopfe, an denen die langenrothen Federn nicht fehlten, die kecke Haltung der Studenten nach-ahmend zur Belustigung ihres dankbaren PublicumS einherstolzirten.Es liefen allerhand Beschwerden beim Stadt-Cvmmando ein über Ge-waltthätigkeiten, die sich das Militär hin und wieder erlaubte. Mansah Soldaten, besonders Gränzer, die um etliche Guldeu eine werth-volle goldene Uhr anboten oder in ihrer urwüchsigen Unkenntniseine Hundertgulden-Banknote um eilf Silberzwanziger verkauften;und nicht immer rührte, was sie auf diese Weise in den Handelbrachten, aus der Zeit der ersten kriegerischen Erstürmung her. Alleinwenn Jelacic auf eine dießfällige Anfrage des Stadt-Commandosnicht ohne Grund erwiderte: „Wenn einzelne Excesse vorfielen, so
sind sie Folge der schrecklichen Wuth der Soldaten über die verletzte Ca-pitulation, einen ewigen Schandfleck der Wiener Bevölkerung, manmöge die Entschädigung bei den Rebellen suchen""^), und wenninan aus der Geschichte durch Waffengewalt genommener Städte nichtleicht ein Beispiel wird vorführen können, wo sich bei kampfentbrannteingedrungenen Truppen nicht ähnliches zutrug: so darf man andrer-seits solche vereinzelte Fälle nicht zur Grundlage eines allgemeinenUrtheils nehmen, das sonst eben so unwahr als ungerecht ausfallenmüßte. Jni Gegentheile, im großen Durchschnitt war die Haltungder kaiserlichen Officiere human, das Betragen des gemeinen Mannesbescheiden und anständig; die große Mehrzahl der Bevölkerung wußtesich die Anwesenheit der Gäste im doppelfarbigen Tuche zu schützenund bald schwand die gegenseitige Scheu, womit sich in den erstenStunden Bürger und Soldat gegenseitig beobachtet hatten-o»).
Am 2. November zwischen 2 und 8 Uhr N.-M. hielt Jelacicseinen Einzug in die Stadt, wo er in der Hofburg sein Hauptquar-tier ausschlug. Er kam hoch zu Roß, von einem prächtigen Schimmel