Am Morgen des 1. November, Allerheiligen, gab es heftigenRegen, den ersten seit mehreren Wochen. Der anhaltend schönenWitterung hatten sich besonders die Truppen zu freuen gehabt, derenGesundheitszustand trotz der unaufhörlichen Bereitschaften, Kämpfe,Beiwachten ein vortrefflicher blieb. Unter dem schwer verhangenennaßgrauen Himmel flatterte riesig groß das Schwarzgold des kaiser-lichen Banners vom St. Stephansthurin herab und es kam an die-sem und an den nächstfolgenden Tagen Keiner über den Platz, dernicht seine Blicke nach der Höhe richtete, wie die Schweizer der Fabelnach dem Hute Geßler's, der ihnen die Unterwerfung bedeutete, oderwie die Wiener von ehedem nach der Uhr, die ihnen die Zeit gab.An einigen Straßenecken klebte noch ein vergessener Spätling, dieletzte der Kundmachungen des N.-G--Ober-Commandos, deren dievergangenen Tage so viele gesehen: es war die Verwahrung Messen-hauser's und Fenneberg's, daß ihnen keine Schuld zufalle an demWiederbeginn der letzten Feindseligkeiten gegen die kaiserlichen Truppen.Manche lasen den Anschlag mit Theilnahme, bis ihn Andere Herab-rissen , damit auch die letzte Erinnerung an die vergangene Zeit derWirrnis verschwinde.
Die Stadt und die Vorstädte füllten sich immer mehr mit Trup-pen ; zu allen Linien, bei allen Thoren kamen neue Züge hereinmar-schirt, mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel, zu dem dasdumpfe Hinrollen der schweren Geschütze und das Geraffel der Pulver-karren auf dem Granitpflaster, soweit letzteres noch bestand, die Be-gleitung gab. Noch vor Tagesanbruch setzte sich die Brigade Chizzolain Bewegung und rückte durch die Lercheufelder und Hernalser Linieauf das Glacis; eine Compagnie wurde in dem Gebäude des Jvseph-stüdter Theaters unter Dach gebracht, ein Bataillon marschirte Nach-mittags in die Stadt, wo es sich auf dem hohen Markte einrichtete,so gut es die Umstünde erlaubten. Durch die Nnßdorfer Linie zogenTruppen Parrot's und Simbschen's ein; ersterer quartierte sich im