414 III 29. Einmarsch der kaiserlichen Truppen, 31. Abends.
und Polizeisoldaten unterstützt, jeden Proletarier aufgreifen; haufen-weise wurden sie eingefangen und fortgeschleppt. Mitunter stieß dader Soldat, einmal in der Hitze des Geschäfts, auch auf einen Besser-gekleideten, den er stehen hieß, ihm, wie nach etwas verdächtigemsuchend, alle Taschen durchstöberte und Geldbeutel oder Taschenuhr,auf die er stieß, mit dem Rufe: „Pulver, Pulver!" in Besitz nahmund davon eilte. Auch einzelne Hausdurchsuchungen und Aufhebungenin Pausch und Bogen kamen vor. Schon hörte mau laut in unge-messenen Ausdrücken auf die Studenten schimpfen, über die sich nochwenige Tage zuvor nur Preis und Lobsprüche vernehmen lassendurften. „Hängt sie auf, schlagt sie todt, gebt keinen Pardon; siesind die Urheber unseres Unglücks", ließen sich Garden und Bürgervernehmen, die sich nicht beflissen genug zeigen konnten, dem Militärin die Hände zu arbeiten. Das Bürgermeisterhaus am Hof, wohinsich eine Abtheilung Steirer schon ganz waffenlos geflüchtet hatte,wurde auf Veranlassung einiger Bürger-Grenadiere von einer halbenCompagnie umstellt, die Flüchtlinge herausgeholt, vor dem Hause inder Mitte von gefällten Bajonneten und gespannten Hähnen aufge-stellt und dann in das Kriegsgebäude geführt, wo sie einen dumpfenKeller zum Aufenthalt bekamen. In vorgerückter Nachtstunde um-stellte eine Abtheilung Soldaten den Gasthos „zur ungarischen Krone"in der Himmelpfortgasse, besetzte alle Ausgänge und Treppen und hobdie zum Theil schon im Schlaf ruhenden Studenten auf, denen einFeldwebel kurzweg erklärte: „die tauglichen werden unter die Soldatengesteckt, die andern erschossen werden!" Borrosch, der im selben Gast-hofe wohnte, kam herzu, tröstete die erschreckten jungen Leute undversprach ihnen, sich ihrer annehmen zu wollen.
Ein anderes Bild boten die von den Mittelpunkten der Bewe-gung entlegenen Stadttheile. Das ganze Stubenviertel und dergrößte Theil des Kärntnerviertels war vom Militär noch unbetreten;auf der Rothenthurm- und auf der Biberbastei lagerten noch kleinereAbtheilungen von der Mobilgarde. In den Gassen hier war es meiststill und öde, an den Häusern keine Lampen, in den Fenstern wenigLichter, manche Gegenden stockfinster. Es war da wegen der man-cherlei Dinge, die ans dem Boden lagen, nicht ungefährlich zu gehen.In den deil Kärntnerthoren nahe gelegenen Straßen waren mancheStellen von zerschmetterten Fensterscheiben, eingeschlagenen Laternen,