398 HI- 28. Bombardement der innern Stadt, 31. October N.-M.
Pichler, „verhallte dagegen wie das schwache Stammeln eines Kindesgegen das Rollen des Donners." Schreiend flüchtete das unbewehrteVolk durch die Straßen; alle Hausthore wurden hastig mit lautemZuschlägen geschlossen; ans den obern Stockwerken eilte man zitterndunter die Thorfahrten, in die Keller. Die Beschießung nahm vonMinute zu Minute an Gewalt und Heftigkeit zu. Vollkugeln allenCalibers, Raketen, Bomben, Glühkugeln, Granaten, mit dem jedereigenthümlichen Lärm beim Ausfallen, Zerspringen und Zünden, tra-fen Schlag auf Schlag. Von schützender Ferne gesehen, gewährte eseinen mächtigen Anblick; trotz der wolkenlosen Tageshelle konnte mandie feurigen Kugeln wahrnehmeu, wie sie aus der gewaltigen Rauch-wolke, die sich vom Glacis über die Stadt wälzte, blitzartig emporzuckten, in raschem Fluge, einen bläulichen Feuerstreif hinter sich zie-hend, einen Bogenkreis durch die Luft beschrieben, bis sie jenseits inder Dampfhülle wieder verschwanden. Die Zahl der Schüsse warkaum zu verfolgen. Ein Beobachter versichert, er habe in zwei Minu-ten mehr als zwanzig Brandraketen gezählt, die gegen die Stadt flo-gen; ein anderer brachte binnen fünf Minuten 84, etwas später inderselben Spanne Zeit 102 Schüsse zusammen;.doch kaum konnteihre Berechnung verläßlich sein, da viele Schüsse oft gleichzeitig los-brannten. Den Meisten aber ließ das entsetzliche Getöse kaum dieRuhe und Besinnung, den Einzelheiten prüfend nachzugehen; es bliebnur der allgemein verwirrende Eindruck, wie sich in den donnerähn-lichen Lärm der Geschütze zeitweise das schwächere Geknatter des Ge-wehrfeuers mischte; dazu das Einschlagen der Bomben, das Zischender Raketen und Granaten, die gleich unheilvollen Gespenstern durchdie Lust schwirrten, das hagelwetterartige Herabkollern der Kugelnvon Dächern und Mauern, das Geklirr zerspringender Fenster, das Hin-abfallen losgebrochener Mauerstücke oder Dachziegel, das Einstürzenzertrümmerter Nauchfänge, das Gekrache eingeschlagener Dächer, dasdumpfe Bersten von Mauern — es war ein schreckensvolles Durch-einander, als bräche der jüngste Tag herein. „Schlag auf Schlagwie ein riesiges Anpochen an einen Felsenberg dröhnte es", sagtAuerbach. „Kein Hochgewitter, kein Seesturm, keine Schlacht ließ sichdamit vergleichen", versichert ein anderer Zeitgenosse; „das Gehörwar mit dem Herzschlag eins; man hörte und fühlte das fürchte»