378 m 26. Verwirrung u. Zwiespalt unter den Aufständische», 30.—31. Oct>
noch vier Tage halten; sonst sei jede Verteidigung nutzlos." Soviel hatte der abgesetzte Messenhauser auch zu sagen gewußt. Fenne-berg gab jetzt Befehl, vom Stephansthurm alle fünf Minuten Signal-Raketen aufsteigen zu lassen — der ungarische Agent Varga hatteeine Anzahl davon bereits hinaufgeschafft —; eine halbe Stundehindurch sollte das oberste Gerüste mit bengalischem Feuer beleuchtetwerden, während von den Basteien Kanonenschüsse erdröhnten. Inkurzen Noten zeigte Fenueberg dem Neichstagsausschusse und demGemeinderathe an, daß er den Oberbefehl für so lange übernommenhabe, bis entweder er bestätigt oder ein anderer ernannt sei, undsandte gleichzeitig in die Stallburg, die Siegel deS Ober-Commandanten abzuforderu. Auch vom Studentencvmitö wurden der Reichs-tagsausschuß und der Gemeinderath beschickt.und denselben der vor-genommene Wechsel im Ober-Commaudv mit dem Ersuchen um Ge-nehmigung angezeigt.
Doch weder in der Stallburg noch im Landhause wollte manmit Fenueberg etwas zu schaffen haben'-"). Vom Neichstagsaus-schuß wurde erwiedert: „eine Neuwahl des Ober-Cvmmandanteukönne nur vom ganzen Reichstage einverständlich mit dem Ministeriumvor sich gehen". Die Siegel der Ober-Commandantur wurden nichtausgeliefert; Dunder gab vielmehr den Sicherheitswächtery Befehl,jeden niederzusäbeln, der versuchen wollte die Siegel fortzuschaffen.Die Ober-Offieiere des Centralbureaus der Nationalgarde, des PlatzCommandos, mehrerer Abtheilungen der Volkswehr traten zusammen,um gegen die ordnungswidrige Entfernung Messenhauser's Einspruchzu erheben, als ein Legions-Officier, eine rothe Feder auf dem Cala-breser und den blanken Säbel in der Faust, in ihre Mitte stürmteund rief: Messeuhauser müsse abtreten. „Wo Männer über die
wichtigsten Angelegenheiten berathen", verwies ihn Dunder mit Nach-druck, „hat ein junger Mensch von kaum achtzehn Jahren zu schwei-gen; die Tiraden der Jugend haben nur zu lange gedauert!" „„Ichbin nicht achtzehn Jahre, sondern dreiundzwanzig alt"", erwiedertejener und setzte, verdutzt über die ablehnende Haltung der Versamm-lung, etwas kleinlaut hinzu: „Wenn der Herr Ober-Commaudantmehr Energie entwickelt, will ich gern mein Knie vor ihm beugen."Noch immer hielt er den gezogenen Säbel in der Hand; man riefihm zu ihn zu versorgen und schieil, da er keine Miene machte sich