374 m 26. Berwirrung u. Zwiespalt unter den Aufständischen, 30.—31. Oct.
luugen entfernten sich nach rückwärts und verloren, wie man schär-fer hinblickte, ihren festen Kern. Zuletzt war alles hüben und drübennur Bewegung von Wien weg in eine Gegend hinein, wo sich nichlsrechtes mehr wahrnehmen ließ — die Ungarn waren geschlagen, dieKaiserlichen verfolgten sie! In der lebendigen Gruppe auf dem ober-sten Gerüste des Thurmes war es, während sich diese Beobachtungendrängten, immer stiller geworden. Einer um den andern hatte sichkleinlaut und nachdenklich die dunkle Treppe hinabgeschlichen; nurwenige, darunter Auerbach und Goldmark, blieben bei Messcnhauserzurück, der düster in sich gekehrt bald auf und ab schritt, bald sichan einen Pfosten lehnte und wie mechanisch sein Teleskop auseinander-zog und wieder zusammenschob. „Die tragische Parole unserer Tage",sagte Auerbach zu ihm, „das ,zu spät', scheint sich auch bei den Un-garn zu wiederholen." Messenhauser nickte, ohne zu antworten.
Auch im Studentenausschüsse waltete nicht mehr der Geist derZuversicht und Entschlossenheit, der ihn in den Tagen zuvor beseelthatte. Die Verständigeren der jungen Leute hatten das Gefühl, daßein Ende zu machen sei, obgleich nicht den sittlichen Muth, dieser Er-kenntniß klar entschiedenen Ausdruck zu geben, und nicht die mora-lische Kraft, den von allen Seiten in gegcntheiligem Sinne auf sieeindriugenden Zumuthnngen Widerstand zu leisten. Nicht die bessern'Elemente unter den Studenten, die rohe ungezügelte Masse undeinige ehrsüchtige Führer waren es, die der Stadt eine letzte Nachtvoll banger Schrecken und einen letzten Tag voll zitternder Auf-regung bereiteten. Robert Blum, das gibt selbst sein Genosse Frobelzu, wollte den Untergang Messenhauser's, den er für einen vollstän-digen Verräther hielt; wenn nicht die Ungarn kamen, meint Fröbel,wodurch die allgemeine Aufmerksamkeit abgelenkt wurde, so warMessenhauser vor der Wuth der Menge nicht zu retten. Nachmit-tags erschien Blum im Studentencomitö und sprach heftig gegenMessenhauser. Nachdem er sich wieder entfernt hatte, wurde vonder Mehrheit ein Mistrauens-Votum gegen den Ober-Commandan-ten beschlossen; Hofer, eines der tüchtigsten Mitglieder des Ausschusses,sprach dagegen, nicht ohne merkliche Wirkung auf seine Cvmmilitonen.Doch immer neue Deputationen einzelner bewaffneter Corps trafenein, welche die Absetzung des Ober-Commandanten verlangten undes gar nicht begreifen wollten, wie sie der Ausschuß zur Geduld ver-