,,Dic Ungar» sind da!"
wurde. Die Stadl schien in der kurzen Spanne Zeit wie in einTollhaus umgewandelt. Kleinere und größere Hansen wälzten sichdurch die Straßen, unaufhörlich schreiend: „Die Ungarn sind da!Elsen! Kossuth kommt! Elsen!" Alan sprang und tanzte, manjauchzte und tobte, man schalt Feiglinge, die für die Capitulationgestimmt. Zu den besorgten Mienen jener, die in den Häusernhastig die Fenster aufrissen oder in die Hausthore eilten, bildetendie freudestrahlenden Gesichter, die wuthsprühenden Blicke der Andern,die sich wie Wahnsinnige geberdeten, einen schneidenden Gegensatz.Nun belebte sich der Universitätsplatz von neuem. Legionäre, Eliten,Proletarier, Garden wuchsen wie ans der Erde und alles wimmeltevon Kampflustigen. In Hast trat der Studenten-Ausschuß wiederzusammen; jeden Augenblick kamen Botschaften von den verschiedenstenSeiten, die zu den Waffen riefen. Die Comitö-Mitglieder suchtenzu beschwichtigen: „man möge sich gedulden, bis man näheres überdas Anrücken der Ungarn erfahren". Doch die Ungestümen ließenkeinen Zweifel zu. Schuselka wurde genöthigt auf die Bastei zugehen, und dann gar den Minoritenthnrm zn besteigen, um sich miteigenen Augen zu überzeugen, daß die Ungarn vor der Stadt seien;als er trotzdem ungläubig blieb, wurde er verhöhnt, und besorgteFreunde gaben ihm den Rath, sich noch in der Nacht davon zumachen, weil er am nächsten Tage beim Einrücken der Ungarn, dieer als Organ der Reichstags-Permanenz nicht habe herbeirufen wollen,seines Lebens nicht sicher wäre. Ein, wie es schien, seit langem vor-bereitetes Placat „Worte des Kampfes" erschien wie auf einenZanberschlag an den Straßenecken. „Die ungarischen Brüder rückenheran, der Donner ihrer herrlichen Artillerie tönt wie Musik inunfern Ohren. Noch diesen letzten glorreichen Kamps, und es wirdans allen Punkten der Erde unser schönster Titel sein zn sagen: Ichbin ein Wiener, ich war dabei!"'"'). Nun wurden die schon abge-legten Waffen auf's neue ergriffen, die zur Abführung bereit stehen-den Kanonen wieder auf die Basteien gezogen. Im Hofe des Uui-versitätsgebäudes schaarte sich ein Trupp von Sensenmännern zu-sammen, die Lanze bei Fuß, die scharfen Schneiden nach außen ge-richtet, ein grauenerregender Anblick. Einzelne Legionäre warfen sichauf's Pferd, die frohe Botschaft nach allen Seiten in die Vorstädtezu tragen.