Z20 III- 23. Das Schicksal Wiens und die mitteleuropäische Revolution.
ruhigungen der kaiserlichen Soldaten durch plötzliches Geschrei, öftereGewehrschüsse, Rufe zu den Waffen, Glockengeläuts bei Nachtzeit u. dgl.;Bildung von bewaffneten Banden iw Gebirge, um militärische Zu-fuhren abzuschneiden, kleinere Truppenabtheilungen zu überfallen,alles niederznmachen, besonders die Officiere; Aufbietung des Land-sturms mit Sensen, Heugabeln, Hacken und Messern: solcher Artwaren die Lehren, die Mazzini den Lombardo-Venetianern gab.„Man sprenge die Pulvermagazine in die Luft, man zünde die Caser-nen an, man beweise „ooa iütti ti-oineacki o ocmtinui", daß dieser Bo-den den Feind verschlingen wird, wenn er uns nicht alle insgesammtausrottet!"
Bei solchen Stoffen unaufhörlicher Aufstachelung und Aufreizungfehlte nichts als die Nachricht von einem Losbruche im Herzen derösterreichischen Monarchie, um die politischen Leidenschaften auf denSiedpunkt zu bringen. Wenn man an der Themse niit von Tag zu Taggespannterem Interesse den Posten aus Deutschland entgegenharrte;wenn man sich in den Cafö's von Paris die Zeitungen aus denHänden riß, um das neueste aus Wien zu erfahren, so fand inTurin, Genna, Livorno, Florenz, Rom jede falsche oder wahre Kundeihren lärmenden Nachhall in den Clubs, auf den Galerien der Par-lamente, auf Platz und Straße. Die Organe der römischen Umsturz-partei sahen ini Wiener October-Aufstande einen Fingerzeig der Vor-sehung, daß Italien frei werden solle; in einer Versammlung desCircolo romano wurde es zum Grundsatz erhoben, jedes Parteiinter-esse solle beiseite gelassen, nur die Frage erörtert werden, wie ambesten die Unabhängigkeit zu erringen sei. In Genua riß ein Prie-ster in der Versammlung des Circolo italiano sein Obergewand vomLeibe und schwur, daß er es nicht eher wieder anlegen wolle, bisauch der letzte Tedesco vom italienischen Boden verjagt sei. InTurin setzte Gioberti's Nationalcongreß einen eigenen Ausschuß nie-der, der sich mit der Frage zu beschäftigen hatte, wie die Versamm-lung mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse Oesterreichsam ehesten zum Triumphe der italienischen Waffen beitragen könne.Durch die ganze Halbinsel riefen die Clubs, predigten die Zeitungen:Krieg, Krieg gegen Oesterreich! Das Tnriner „Risorgimento" drangauf unverweiltes Losschlagen: „Das Hinziehen der Zeit ist für dieOesterreicher Leben, für die Italiener Tod". In Genua wurde eine