Gräuel und Verwüstung.
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Denn Menschenleben stand niedrig im Preise in diesen fürchterlichenStunden. Wer sich flüchten wollte, selbst Weiber und wehrlose Per-sonen, wurde auf dem Fleck erschossen, wer sich in einem Versteck fin-den ließ, bei den Haaren herausgezerrt und mit dem Vajonnet erstochenoder mit Gewehrkolben erschlagen. Wie viele ganz unschuldige Per-sonen wurden aus den durchstöberten Häusern hinweggeführt und imWallgraben oder ans freiem Feld erschossen! Einem alten halb blin-den Manne half es nichts, daß er sich auf seine langjährigen Dienstebeim Militär berief; auch ihn traf die Kugel. Am Hundsthurm hieltein Vater von fünf Kindern das kleinste, kranke, auf dem Arm, alsdas Haus gestürmt wurde; das Kind schrie erbärmlich; ein Soldatriß es ihm weg, schleuderte es in eine Ecke und machte den Vaternieder. An manchen Orten waren Studenten oder Mobile, die oftganz erfolglos, wenn schon nichts mehr zu thun war, geschossenund sich dann schnell auf die Beine gemacht hatten, Ursache an demUnglück der schuldlosen Hausbewohner. Oft waren es auch muth-willige und boshafte Anzeigen, daß in einem Hause Waffen, wohlgar Kanonen verborgen seien oder siedendes Wasser oder Oel darinbereit gehalten worden, die den Anlaß boten, alle Räumlichkeiten vomKeller bis auf das Dach zu durchstöbern, während die zitterndenHausleute, auf das schärfste bewacht und bei der geringsten Bewegungmit dem Tode bedroht, der Verwüstung ihrer Habe unthätig zusehenmußten. Wehe ihnen, wenn sich etwas verdächtiges vorfand; aberauch wehe ihnen, wenn sich nichts vorfinden wollte! Denn schonbefand sich der Soldat in jenem Zustande der Wuth, die keiner ver-nünftigen Ueberlegung mehr Raum ließ und gegen die selbst dasWort des Vorgesetzten nichts mehr vermochte. Einem Feldwebel, derder Brandlegung in einem Hause wehren wollte, setzten seine eigenenLeute die Spitzen ihrer Gewehre auf die Brust, so daß er sich flie-hend retten mußte. Gelang es einzelnen Officieren, ihre Soldatenaus den bedrohten Häusern auf den Wall zu treibe«, so käme«andere Haufen, die das grausame Spiel von vorn begannen. Manch-mal rettete eine böhmische Magd durch Zureden bei den lands-männischen Soldaten ihre auf's ärgste bedrängten Dienstgeber; aberkaum daß jene fort waren, kamen andere, die mit einem „nix böh-misch" von dem eingegangenen Pact nichts wissen wollten und nachWillkür hausten. Auf solche Weise wurden manche Häuser oft Vier-is