282 II. 19. EliMlchiiie dcr Landstraße und Leopeldstadt, 28. Ortober.
dem bevorstehenden Angriffe von außen gewiß nicht uuthätig bleibenwürde. Unterließ er es im Gegentheil, den heranziehenden Ungarnausreichende Streitkräfte entgegenzustellen, so setzte er sich der Mög-lichkeit eines Miserfolges aus, der entmuthigeud auf seine eigenenTruppen, anspornend auf den kaum theilweise bezwungenen Aufstandwirken mußte. Als sich Windischgrätz gegen 3 Uhr N.-M. von derSpinnerin am Kreuz auf den Laaer Berg begab, von wo er eineweitere Rundschau über den ausgedehnten Wiener Kampfplatz ge-wann und zugleich die gewellte Ebene gegen die ungarische Gränzeüberblicken konnte, war sein Entschluß bereits gefaßt: das Geschäftdes Tages sollte nicht unterbrochen, keiner der gewonnenen Vortheileaufgegeben, zugleich aber Anstalt getroffen werden, dem, wie es nunschien, unausbleiblichen Zusammenstoß mit den Ungarn wirksam zubegegnen. Die beiden wider ihn Verbündeten, die ihn in die Mittezu nehmen drohten, sollten ausetnandergehalten, ihre nach Vereinigungstrebenden Kräfte hier zusammengedrängt und gebändigt, dort auf-gehalten und zurückgeworfen werden. Es war eine Doppelschlacht,die vor dem Geiste des Feldherrn stand, und er hoffte sie mit desHimmels Beistand zu gewinnen.
Der Standpunkt auf dem Laaer Berge entrollte ein großartigesBild. Im ganzen weiten Umkreise tobte noch der Streit. An vielenPunkten hatten die kaiserlichen Truppen bereits errungen, was ihnenals Ziel vorgesteckt war. Die nahe Matzleinsdorfer und die Hunds-thurmer Linie waren bezwungen, die Truppen innerhalb des Walles,längs dem eine Reihe hellauflodernder Brände gleichsam Zeugenschaftablegten von den vvrausgegangenen Kämpfen. In der MatzleinsdorferHauptstraße hielten sich die Aufständischen hinter den Barricaden zubeiden Seiten der Kirche, von wo sie ohne Unterlaß plänkelten; dieNassauer wollten, trotz aller Verbote nicht weiter vorzndringen, denKampf immer wieder aufnehmen, bis sie ans Befehl des Feldmarschallszurückgezogen und durch das Landwehr-Bataillon Bianchi ersetzt wur-den ; von da an war hier Ruhe. Dagegen befanden sich Gumpendvrs,Mariahilf, Schvttenfeld, Alt-Lerchenfeld, Josephstadt noch in ihrerganzen Ausdehnung in den Händen der Aufständischen. In der Alservor-stadt waren die Linienwälle und die ersten Barricaden von den Truppenbereits genommen. Die Währinger Linie war von ihren Vertheidigernverlassen. An der Nußdorfer war Robert Blum tm Feuer gestanden und