Z5Ü II 18. Allgcmcincr Angriff am 28. October.
Wurf kam, über deu Rücken haute, wieder das Gleichgewicht her-stellte. Die Stern-Barricade wurde im Sturmschritt genommen,während Hauptmann Ringelhann an der Spitze einer CompagnieKaiser-Grenadiere die Umfassung des nördlichen Eckhauses erstürmte,durch ein Fenster in das Innere desselben, und von da durch Mauer-durchbrüche in die anstoßenden Häuser drang, um die in allen be-nachbarten Fenstern postirten Schützen der Aufständischen zu vertrei-ben. Mittlerweile fuhr im raschen Lauf die Zwölfpfünder-Batterievom Nordbahnhofe hinter der Stern-Barricade auf, deren Schuß-scharten von den Sappeuren Plaminger's rasch erweitert wurden, undbald diente die wichtigste und stärkste Schntzwehr der Aufständischenden kaiserlichen Geschützen zu einem gesicherten Standpunkte, von demaus sich die Praterstraße ihrer ganzen Länge nach mit Vollkugelnund Kartätschen bestreichen ließ.
So wichtig aber der Besitz der Stern-Barricade für die kaiser-lichen Truppen war, so befanden sich diese damit erst am Beginnihrer blutigen Arbeit. Sie hatten nicht bloß die kaum minder starkeBarricade am Eck der rothen Sterngasse vor sich, aus deren dunklenLucken fünf Achtzehnpfünder auf sie herüberdrohten: es befand sichzudem an jenem Platze der geschickteste und kaltblütigste aller Führerder Aufständischen, unter dessen vorsichtiger Leitung keine Kanone ab-gebrannt wurde, deren Schuß nicht seine berechnete Wirkung hatte.Bem hatte sein Hauptquartier im Hause Nr. 51 der Jägerzeile auf-geschlagen; allein er war den ganzen Tag auf der Gasse. Bald ritter zu Pferde die Reihen ab, ermahnte hier: „Schützt Euer Leben,dazu habt Ihr die Barricade!", drohte dort: „Wenn Ihr nicht ge-horcht, lasse ich hinter Euch Kanonen aufpflanzen!" Dann stieg erwieder ab, richtete selbst die Geschütze, oder ließ sich auf einen Feld-sessel nächst der Barricade nieder, ruhig mitten im Kugelregen; erschien unverletzbar zu sein. Zweimal im Laufe der heißen Stundenkam er in den Pfarrhof von St. Johann; er wollte die Mauerndurchbrechen lassen und war nur durch die Vorstellungen desPfarrverwesers, daß das Haus als.Spital benützt werde, davon ab-zubringen. Etwa ein Dutzend seiner Lanciers befand sich in seinerNähe. Die Besatzung der Barricade bildete ein buntes-Gemisch vonGliedern des Elite-Corps, der Linzer und steirischen Zuzüge, Legio-nären, Arbeitern, Ueberläufern "ch. Sie hatten zwischen den granitnen