2^4 II. 18. Allgemeiner Angriff am 28. Octobcr.
Angesicht der Truppen unbenutzt auf dem Walle. Es kam der Be-fehl vom Ober-Commando, die Kanone, die keine Munition habe,hinter die Barricaden zurückzuziehen; „der angreifende Feind ist vomWalle niit dem Bajonnet zurückzuweisen".
Dem Standpunkte zunächst, den sich Windischgrätz gewählt hatte,befanden sich die Divisionen Csorich mit den Brigaden Colloredo undJablonowski gegen die Hundsthurmer (Schönbrunner) und Matz-leinsdorfer Linie und die Brigade Sanchez gegen die Belvedere- undFavoriten-Linie. Wenn sich schon an andern Punkten die Kampflustder Truppeu, mit den Aufständischen handgemein zu werden, kaumzügeln ließ, so war dieß in erhöhtem Grade hier der Fall, wo sieunter den Augen ihres Oberfeldherrn kämpften und wo dieser zeit-weise selbst iu die Dispositionen eingriff. Aber auch der Widerstandwar auf dieser Seite der Stadt ein wirksamerer, wo die nahe vorden Umfassungswällen gelegenen Friedhöfe von St. Marx, Matzleins-dorf und Hundsthurm, der Südbahnhof und jener von Meidling,dann die stellenweise bei vier Klafter hohen Eisenbahndämme ebenso-viele Stützpunkte der Verteidigung boten, so daß die Besitznahmedieser Objecte von Seite des Militärs nicht zu umgehen war.
Jablonowski hatte zwei Geschütze auf dem südwestlich vom pro-testantischen Friedhofe gelegenen Richtplatze aufgestellt, die im Vereinmit einer Raketen-Batterie die Kanonen der Aufständischen allmäligzum Schweigen brachten. Das Wächterhäuschen an der Durchfahrtder Badener Straße gerietst in Brand; auch innerhalb der Liniebrach an einigen Stellen Feuer aus. Nun ging ein Bataillon Nassauzur Erstürmung des Friedhofs vor. Die Aufständischen hatten vor-sichtigerweise die nördliche Umfriedungsmauer desselben eingerissen,über deren Trümmer sie sich nach Matzleinsdorf zurückzogen, währenddas Gebäude des Todtengräbers in Flammen anfging, aber Hunderteeinfacher Holzkreuze mit ihren Blumenbeetchen und die neue gothischeCapelle, ein Vermächtnis; des ungarischen Geschichtsforschers Gevay,mit ihren Knorren und Spitzthürmchen unversehrt blieben. Fastgleichzeitig wurde der Eisenbahndamm von der 2. L.--W.-CompagnieNassau genommen, an deren Spitze Hanptmann Prohaska fiel. Jetztstürzte sich der Feldwebel Guillaume ohne Befehl mit einem Zuge inden Wallgraben und erklomm die Linienmauer; die übrige Mannschaftfaßte das Linienthor von der Seite, während die 3. Compagnie