Einnahme der Brigittenau nnd Zwischenbriickenau.
191
er das Bezirks-Commando nieder. Die Sache der Aufständischen standdarum nicht besser. Sie zogen sich aus der Brigittenau gegen denAugarten, aus der Zwischenbrückenau hinter die Taborlinie zurück,wobei sie, „um dem Vordringen des Feindes wenigstens zeitweise zuwehren", die beiden Brucken über die kleine Donau in Brand steckten,ein ganz nutzloses Unternehmen, da sie selbst ein paar Stunden früherdas Beispiel gegeben hatten, daß es nicht erst einer Ueberbrückungdes seichten Kaiserwassers bedürfe, um von einem Ufer auf's anderezu gelangen. Gegen 4 Uhr N.-M. ließ Wyß das 3. BataillonFürstenwärther über die bereits wieder in brauchbaren Stand gesetzteSchlagbrücke über die große Donau rücken, besetzte die Zwischen-brückenau nnd stand am linken Ufer der kleinen Donau, währenddie Truppen Namberg's den größten Theil der Brigittenau in ihrerGewalt hatten. Das gegenseitige Feuern dauerte bis in den Abendfort, dessen Dunkelheit der Brand der beiden Donaubrücken ver-scheuchte. Auch die Specker'sche Gewehrfabrik vor der Taborliniegerieth in Flammen, die jedoch bald bewältigt wurden. Eine Ans-tündung, die Namberg von der Brigittenau gegen das Kaiserwasservornehmen ließ, zeigte, daß von der Schlagbrttcke nur ein Joch inder Mitte bis auf den Wasserspiegel verkohlt war. Die Eisenbahn-brücke dagegen brannte fast ganz nieder.
Die Einwohner der Leopoldstadt brachten die erste angstvolleNacht zu; die ganze Vorstadt war beleuchtet, eine bange Stille herrschtein den Straßen.
14.
Seit dem 20. hatte Wien einen Ausnahmszustand, vom 25.hatte es deren zwei. Eine Proklamation Messenhauser's erklärtedie Stadt von neun Uhr Abends dieses Tages „als im Belagerungs-zustände befindlich"; es geschehe dieß in Folge der „entsetzlichen"Proclamation des Fürsten Windischgrätz vom 23.; „denn nie hat einübermüthiger Brennus sich in so schauerlicher Hoffart als Feind