190
II. 13. Hetzendorser Proklamation vom 23. OctoLer.
Kaiserwasser und griff das Jägerhaus mit solcher Heftigkeit au, daßRamberg eine Compagnie Heß, deren Führung Oberst Pott über-nahm, zur Verstärkung nachsenden mußte. Eine andere Abtheilungder Mobilen rückte mit vier Geschützen an das nördliche Ufer derZwischenbrückenan und richtete ihr Feuer auf die am linken Donau-ufer „am Spitz" postirten Truppen der Brigade Wyß. Es entspannsich ein lebhaftes Geschütz- und Musketenfener, das sich vom Taborüber die Brigittenau bis zur Nußdorfer Linie fortpflanzte. DieGritzner'schen Kanonen in der Zwischenbrückenau waren bald unbrauch-bar gemacht und mußten aus dem Gefecht gebracht werden. In derBrigittenau ging das Militär den Aufständischen scharf zu Leibe, wobeidie Soldaten von Heß ihren Gegnern mitten im Schießen spottweisezuriefen: „Wir sind vom dritten Bataillon Heß, das sich dem Reichs-tag zur Verfügung gestellt hat!" und die Jäger den Calabreser einesgefallenen Studenten, wie zur Rache für den Generalshut Bredy'svom 6. Octvber, auf ein Bajonnet aufpflanzten. Die Mobilen wur-den, nachdem sie viele ihrer Leute verloren'^), von beiden Seitenimmer mehr gegen das Kaiserwaffer gedrängt, während die nächstenHäuser „zwischen den Brücken" gegen das Militär hinüber weißeTücher von Stangen flattern ließen.
Mit ihrer Niederlage steigerte sich die Wuth der Vertheidiger,die sie, da dem Militär nichts anzuhaben war, an ihren eigenenFührern auslicßen. Es trat bei solchen Anlässen die ganze Rohheitzutage, die in den meisten dieser gemeinen Naturen steckte. Es war-um die dritte Nachmittagstunde, als zwei Garden mit mehreren Mo-bilen in das Gemeindehaus der Leopoldstadt mit dem wilden Rufedrangen: „Wo ist der schwarzgelbe Bezirks-Chef, der uns in derBrigittenan alle zusammenschießen läßt, ohne Hilfe zu senden?" Alssie Hoffmann erblicken, springt einer vor, zieht seine Pistole und legtsie auf ihn an. Hoffmann entgeht durch eine geschickte Wendungdem Schüsse, als die Andern auf ihn eindriugen, ihn über die Stiegein den Hof hinabzerren und ihn trotz seiner Entschuldigung, „daßer ja niemanden in die Brigittenau commandirt habe und unmöglichjeder auf eigene Faust handelnden Truppe Unterstützungen sendenkönne", in der pöbelhaftesten Weise beschimpfen, mishandeln, amLeben bedrohen, bis es ihm gelingt, sich durch schleunige Flucht inein Nachbarhaus zu retten. Unmittelbar nach diesem Vorfälle legte