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1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
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H. 10. Ankunft Windischgrätz' im Lager.

bloße Neugierde noch einzelne Städter vor die Linie, die gefürch-teten Kroaten mehr in der Nähe zu besehen. Fielen sie dabei derTruppe in die Hände und fand sich nichts verdächtiges bei ihnen, sokamen sie wohl mit Flüchen und Verwünschungen und einigen Püffenals Drangabe davon. Hatten sie aber unvorsichtigerweise Waffenoder Schießbedarf bei sich, wurde ein Zeitungsblatt, etwa mit einemSchmähartikel oder einer Carricatur gegen das Militär oder dessenFührer in ihren Kleidern gefunden, oder ließen ihre Reden, ihr Be-nehmen, ihre Verkleidung die Absicht von Ausspäherei argwohnen, solief die Sache nicht so glimpflich ab "ch. Gegen die Studenten, dieBuben von Wien", herrschte im ganzen Lager unbezähmbare Er-bitterung. Ein Calabreser, ein dreifarbiges Band galt den Soldatenals Abzeichen der Repnblicaner; selbst die Träger breitkrämpiger s. g.deutscher Hüte setzten sich Unannehmlichkeiten aus. Auch fehlte esnicht an Vorfällen, welche die Wuth des Soldaten reizen mußten.Leute schlichen sich an die Vorposten, um sie zum Desertiren zu ver-leiten ; Ungarn drängten sich an sie heran, die sie für die magyarischePolitik entflammen wollten; oder es wurde ein Arbeiter ergriffen,bei dem sich Pistolen in den Hosentaschen fanden. Wenn solchenLeuten keine angenehme Behandlung zutheil wurde, oder wenn sieihr Unterfangen in ernsterer Weise büßten, so war es sicher nur ihreeigene Schuld.

Im Hauptquartier zu Stammersdorf gab es mittlerweile aller-hand diplomatische Verhandlungen oder doch Anknüpfungen. Am22. Morgens war es endlich den Wiener Abgesandten vergönnt, vordem Manne zu erscheinen, in dessen Händen jetzt das Schicksal ihrerStadt lag.

Fürst Windischgrätz stand damals in seinem zweiundsechzigstenLebensjahre, doch mochte man ihn nach seinem Aeußern für älterhalten; sein ursprünglich blondes, doch frühzeitig gelichtetes Haar er hatte schon als Dreißiger eine Glatze war stark gebleicht.Doch seine Gestalt von mittlerer Größe zeigte noch immer jenes Eben-maß der Glieder, das ihn in jüngeren Jahren zum schönen Mannvon edler Erscheinung gemacht hatte; seine Haltung war aufrecht,gemessen, soldatisch stramm wie in den Tagen seiner vollen Mannes-kraft. Unter einer hohen, stark gefurchten Stirn sah ein Paar großer