General Bern. 9!)
Wenn Bem ohne Frage der bedeutendste Mann der WienerAnfstandspartei war, so hat andrerseits die österreichische Hauptstadtalle Ursache seinem Andenken zu fluchen. Klarer als der überspannteMessenhauser sah Bem von Ansang ein, daß Wien mit den Kräftenund Mitteln, die zu dessen Verteidigung zu Gebote standen, gegeneinen regelmäßigen Angriff nicht zu halten sei; er sprach dieß gegenseine Umgebung mehr als einmal unumwunden aus. Wenn er trotz-dem alles aufzubieten schien, die kaiserlichen Truppen znrückznschlagen,so wollte er entweder, mit Kossnth im Einverständnisse, den UngarnLuft machen oder er ließ sich von dem wüsten Revolutionsdrangeeines großen Theiles seiner Landsleute beherrschen, denen es gleichgilt den halben Welttheil in Flammen zu setzen, wenn aus demRiesenbrande nur einige Hoffnungsfunken für die Befreiung ihresunglücklichen Vaterlandes davon sprühen. Was waren dem altenPolengeneral Wien und die Wiener? Was lag ihm daran, wenn dieschöne reiche Stadt zum Schutthaufen wurde, wenn Tausende ihrerSöhne nutzlos ihr Blut verspritzten? Waren es doch nicht Leutevon seinem Stamm und Blut! Ihm selbst konnten die österreichiscbcnKugeln so wenig etwas anhaben, als ihm die russischen zu schadenvermochten, und um sein Entkommen, wenn das Ende des zwecklosenKampfes herankam, war ihm nicht bange; hing doch seit den Tagen,da es Ernst zu werden ansing, eine österreichische Generals-, eineInfanterie- und eine Kürassier-Ofsiciers-Uniform in seinem Kleider-schrank bereit I
Bem würde den Garden und Proletariern Wiens ohne Zweifel> noch mehr Blut abgezapft haben, wenn sich nicht im Stabe Mefsen-
hauser's ein Ofsicier befunden hätte, der manche seiner Pläne kreuzte.Nicht etwa, daß dieser junge Mann mehr Theilnahme für Wienoder Abscheu vor der Anwendung äußerster Mittel empfand. ImGegentheil, Neigung zu rücksichtslosen Gewaltmaßregeln besaß Fenne-berg, nach seinen bramarbasirenden Kundgebungen zu nrtheilen, innoch höherem Grade als Bem; Eifersucht und neidischer Widerwilleallein schienen cs zu sein, die ihn gegen den energischen Polengeneraleinnahmen und dessen Absichten entgegenzuwirken antrieben.
Daniel Fenner von Fenne berg, geboren zuBrixen den lO.Octo-ber 1818, Sohn des vielverdienten Tyroler Helden F.-M.-L. Franz
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