96
I. 6. Die militärische» Leiter der Verteidigung Wiens.
den Congreve'scheu Raketen, einer englischen Erfindung, von der manim Jahre >813 am letzten Schlachttage von Leipzig znm erstenmalGebrauch gemacht hatte. Bem's Untersuchungen über diesen Gegen-stand, deren Ergebnisse er 18 l 9 in einer Schrift in französischerSprache niederlegte, mußte er theuer genug erkaufen; durch eineExplosion getroffen und auf's Krankenlager geworfen, schwebte ermehrere Wochen lang in Todesgefahr und seine früher schönen Ge-sichtszüge trugen für Lebenszeit die Spuren der erlittenen Verun-staltung. Auch andere in das Artilleriewesen einschlagende Schriftenwurden von ihm veröffentlicht, bis er, freier Gesinnungen und aus-gesprochener Abneigung gegen das Russenthum verdächtigt, aus seinerStellung entfernt und zur Fuß - Artillerie übersetzt wurde, lieberseine nächsten Schicksale weichen die Berichte ab. Die Einen lassenihn in der Zeit von 1824 bis zu Alexander's Tode Verfolgungenaller Art ausstehen; nicht weniger als dreimal vor ein Kriegsgerichtgestellt, wird er eben so oft in ein scheusliches Gefängnis zurückge-worfen, wo er in verpesteter Luft, des Lichts beraubt, an seinerGesundheit Schaden leidet und abermals einer lebensgefährlichenKrankheit verfällt, bis ein Gnadenact des Kaisers Nicolans ihn derFreiheit wiedergiebt und nach Lemberg übersiedeln läßt. Eine andere,minder romantische Version lautet dagegen: Bem habe, durch seineEntfernung aus der Kriegsschule gekränkt, 1824 seinen Abschied genommen, sei nach Galizien gegangen, habe die Stelle eines Mandatarsauf den Gütern des Grafen Potocki erhalten und sich eifrig mit Stu-dien über landwirthschaftliche Industrie beschäftigt, denen eine Reihewerthvoller Schriften ihr Entstehen verdankte. Der Ausbruch derpolnischen Revolution von 1830 entriß ihn von neuem seiner fried-lichen Zurückgezogenheit. Er bietet seine Dienste der nationalen Sachean, wird als Major mit deni Commando der vierten leichten Caval-lerie-Batterie betraut, zeichnet sich durch Muth unjd kaltblütige Ent-schlossenheit in dem Treffen bei Jganie, 10. April 1831, aus, avancirtzum Oberstlieutenant und erwirbt sich durch seine vom schönsten Er-folg gekrönte Bravour in der Schlacht bei Ostrolhka, 26. Mai, denOrden äs virtnts militari. Minder glücklich ist er am 6. Septemberbei der Verteidigung von Warschau, wo er, bereits zum Generalbefördert, durch unerklärliches Säumen die Hauptschauze von Woladen Russen in die tzände gerathen läßt und vergeblich alle Tapferkeit