Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

88

I. 6. Die uülltlirischcn Leiter der LertheidiHung Wiens.

Wenzel Messen Hauser, oder, wie er sich oft selbstgefällig schrieb:Wenzel Cäsar Messeuhauser, ein Tornisterkind, Sohn eines Cinellen-schlägers bei Kaiser-Infanterie, geboren am 4. Jänner >81.4 zn Proß-nitz, hatte eine freudenlose Jugend, deren herber Nachklang ihn bisin seine gereiften Maunesjahre zu begleiten schien und seinem Weseneine düstere Verschlossenheit und eineil Hang zn einsamem Hinbrütenanfdrückte. Das Knabenerziehungshaus seines Regiments konnte ihmnur eine nothdürftige Ausbildung geben; doch ein unbezwingbarerWissensdurst, von einem eben so maßlosen Ehrgeiz begleitet, trieb ihnfrühzeitig, alle Mittel, die sich seinen beengten Verhältnisseil darbo-ten, zur Erweiterung seiner Kenntnisse zu benützen, und ein staunens-werthes Gedächtnis häufte binnen wenig Jahren einen stattlichenVvrrath geistigen Eigcnthums in ihm ans, welchem aber bei demZufälligen und Lückenhaften eines methodelvsen SelbstunterrichtesZeit seines Lebens Ner verläßliche Unterbau fehlte. Von fremdenSprache eignete er sich das Französische, Englische und Polnische an;in letzterein namentlich versuchte er es mit einer deutschen Ueber-setzung des berühmten Gedichtes von Mickiewicz ,,Konrad Wallen-rod". Wenn aber sein Freund und Biograph I. F. Nitschner allihmauch das tiefere Eingehen in den Wunderbau unserer kraft-vollen Sprache" rühmt, so müssen wir im Gegentheil sagen, daßMessenhauser auch in dieser Richtung unter dem Verhängnis einermangelhaften Erziehung litt und bis an sein Ende seinen Styl, ab-gesehen von der Geschraubtheit und Schwülstigkeit desselben, nichteinmal auf der Höhe gebotener Sprachrichtigkeit zn halten im Standewar. Nennen wir noch einen rastlosen Schaffeilstrieb, der sich,kaum daß er sich den Lehrjahren entwachsen glaubte, in einer unge-meinen Schreibseligkeit kundgab, und fügen wir, was die Gemüths-seite Messenhauser's betras, ein gewisses melancholisches Wohlwollen,rechtlichen Sinn und fleckenlose Ehrlichkeit hinzu, so haben wir diehervortretendsten Züge seines Charakters bezeichnet.

Am 2. Oetvber 1829 leistete Messenhauser als Gemeiner desRegiments, in dem er geboren und erzogen war, den Fahneneid.Eine kriegswisseuschaftliche Abhandlung:lieber die schiefe Schlacht-ordnung" machte den damaligen Militär-Referenten im Hofkriegs-rathe, Oberst Zanini, auf den strebsamen Autodidakteil aufmerksam,der am 10. November 1832 zum Fähnrich bei dein galizischen In-