Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Das kroatische Lager.

57

Porte-d'opöe daran; von den Schultern ein langer krebsrotherMantel mit gleichfarbiger Negenkappe herabwallend das Ganze,als ob es darauf abgesehen wäre, dem ungewohnten Westen eineneben so furchterregenden als malerischen Anblick zu bieten;sie hal-ten", meinte Auerbach,in ihrer äußern Erscheinung die Mittezwischen Zigeuner und Banditen". Was Prato, als er am 9. Jelacieentgegenging, an dessen Grünzern besonders auffiel, war, daß sie trotzihres herabgekommenen Aeußern in vollkommener Ordnung und Ruhemarschirten. Kaum daß sie sich etwas gestärkt hatten, war ihrefrische Laune wieder da. Auf bloßer Erde und im Regen waren siewie zu Hause, sie sangen ihre bald heitern, bald düster ernstenRationallieder mit lauterer Stimme als je, sie tanzten fast den ganzenTag und wußten nichts von Müdigkeit;Mordbursche, Kerle mitSehnen von Eisen", wie sich einer ihrer Officiere ausdrückte. VonWien hatten sie eigene Begriffe. Von seiner Größe, seinen Reich-thümern und Herrlichkeiten hatten sie alle von Jugend auf gehört;jetzt hatten es dieOla" (Aula) und dieneue Religion", die imOdeon gepredigt worden, in den Angen dieser frommen Natursöhnezu einem Sündenpfnhl, zu einem andern Babel gemacht. Bei alle-dem mochte es ihnen nicht eingehen, daß, wie man ihnen sagte, derKaiser jetzt nicht dort weile; Wien und der Kaiser waren ihnenWechselbegriffe, und sie meinten, der StephanSthurm, der so mächtigund weitsichtbar in die Lüfte rage, sei die Burg des Kaisers, hochdort oben müsse er wohnen und thronen.

Wenn man sich bei den Bewohnern der von den kaiserlichen Truppenbesetzten Gegenden erkundigte, so vernahm man zwar, namentlich woGränzer lagerten, mitunter Beschwerden, daß so manches Rüben-und Erdäpfelfeld seine unterirdischen Schätze an die nahen Wacht-feuer abliefern mußte und auch die Hühnerhöfe nicht immer sicherwaren; allein von den Rohheiten oder gar Grausamkeiten, welche dieWiener radicalen Blätter ihren Lesern täglich anftischten, war nichtsbekannt. Zwei Soldaten, die man bei Gelegenheit der Entwaffnungin Maria-Enzersdors auf einem Nhrendiebstahl ertappte, wurden hin-gerichtet, wie der dortige N.-G.-Lieutenant Scnger.beim WienerOber-Commando berichtete. Von solchen ausnahmsweisen Vorfällenabgesehen, ohne die es selbst bei der disciplinirtesten Truppe nieganz abläuft, war das Benehmen der Soldaten aller Truppenkörper