ZZ I. 3. Dic leiteuden Organe des October-Anfstandes.
Studentenausschuß, wo er als Ganzes auftrat, kaum eine Gemein-heit oder Schlechtigkeit uachgewieseu werden konnte, wohl aber somanches gute nachzurühmen war. Noch hatten Intelligenz, Humanitätund rücksichtsvolle Ueberlegung unter den Studenten ihren sittigendenEinfluß nicht ganz verloren und wenn man den Jrrthnm, worin sichihre leichtgläubige Unerfahrenheit hatte verstricken lassen, bedauernmußte, so tonnte man der Haltung, welche die Studentenschaft imallgemeinen bis zum letzten Augenblicke einhielt, manche Anerkennungnicht versagen. Der Grundton jener der Jugend cigenthümlichenGutherzigkeit und leicht erregbaren Großmuth brach bei aller politi-schen Erregtheit bei mehr als einem Anlasse durch. In dem Toben undTreiben jener Tage, wo das hingeworfene Schlagwort: „Ein Schwarz-gelber! Ein Verräther! Ein Spion!" den harmlosesten Menschenden Mißhandlungen sinnloser Rotten preisgab, konnte jeder vonGlück sagen, der vor das Forum der Universität gebracht wurde, undmanchem armen Teufel, der seine völlige Unschuld nachzuweisen imStande war, wurde nebst sicherem Geleit auch eine stärkende Weg-zehrung für die ansgestandene Todesangst mitgegeben. Die militä-rischen Gefangenen, die der Aula zur Obhut übergebeil worden, wieder F.-M.-L. Vacani, die beiden Gränz-Ofsiciere Zergvllern undJovelic, die auf einer Gesundheitsreise nach Baden festgehalten wor-den, konnten in ganz Wien nicht sicherer fein, als unter dem Schutzder Aula, und F.-Z.-M. Rötseh gab nach der Hand die öffentlicheErklärung ab, daß ihm seine Umgebung „während jener traurigenPeriode stets mit jener Achtung und Artigkeit, welche der Jugenddem Alter gegenüber so wohl anstehen", begegnet sei'").
Ueberhaupt waren, wie in den vorausgegangenen Monaten, soauch während der Oetoberzeit die Studenten mehr mißbrauchtesWerkzeug als selbständig anregender Factor des Aufstandes, obgleichihr Comito sich etwas darauf zugute that, „seinen Weg ungetrübtvon jeglicher Beimischung zu verfolgeil", und aus diesem Grundetrotz wiederholter Aufforderung nicht dahin zu bringen war, sich dem„Centralausschuß aller demokratischeil Vereine" anznfchließen. Indiesem letzteren befanden sich die eigentlichen Schürer, keineswegsganz junge Leute, sondern eine Sippe von manchen reifereil Männern,darunter nicht wenig Fremde. Polen, Sachsen, Bayern, Preußen,Schweizer u. a. thaten sich in den öffentlichen Versammlungen her-