Präsident, es „dem Ermessen der Herren Abgeordneten anheimzustellen,ob sich dieselben im Vorstands-Bureau anmelden wollen", wo einerder Beamten ihre Namen in ein Verzeichniß bringen würde. Obdieses Verzeichniß zustande kam, wissen wir nicht; bekannt gegebenwurde es niemals, und der Abgeordnete für die Kleinseite Prag hatim Drang der letzten Octobersitzungen ohne Zweifel vergessen, denPräsidenten an sein Versprechen zu mahnen.
Wie es der Octoberrumpf des Reichstages im Punkte seinerformalen Berechtigung leicht nahm — „er hatte die beengende Schnür-brust der trockenen Geschäftsordnnngsbehandlung von sich geworfen"—,so glaubte er sich auch in eine ängstliche Untersuchung des Inhaltsund Umfanges seiner Befugnisse um so weniger einlassen zu müssen,als niemand in seinem Schooße und außerhalb desselben da war,dieselben irgendwie in Frage zu stellen. Von allen Wiener Jour-nalen konnte keines wagen, seine Leser über die einfachsten constitn-tionellen Begriffe aufzuklären, Zweifel zu erheben, wie eine gesetz-gebende Versammlung, noch dazu eine mit so genau umschriebenem, aufdie Zustandebringung der Verfassung beschränkten Wirkungskreise,sich in Angelegenheiten der Executive einlassen, sich mit Maßregeln dermilitärischen Vertheidigung Wiens befassen, den städtischen Behördenin dieser Richtung Weisungen ertheilen könne u. dgl.^P Wie esmit der Redefreiheit im Neichstagssaale selbst beschaffen war, darüberließ sich ein steirischer Abgeordneter, der bis gegen Mitte October inWien ausgeharrt hatte, nach seiner Ankunft in Grätz vernehmen.„Der Terrorismus der tonangebenden Partei", erzählte er, „gehe schonso weit, daß Deputirte des Centrnms und der Rechten, sobald sieMiene machten zu sprechen, durch allerhand Zeichen des Mißfallensdaran gehindert würden, so daß kaum mehr andere Mitglieder alsdie von der Linken zum Worte kämen". Man durchblättere die ge-druckten „Verhandlungen des österreichischen Reichstages nach derstenographischen Aufnahme", und man wird sich überzeugen, daß inden Octobertagen, namentlich in der zweiten Hälfte, nur Mitgliederder Linken das große Wort führten, während jene vom Centrnm nurdann und wann eine schüchterne, meist unwesentliche Bemerkung ein-znstechten sich Herausnahmen"'). Wenn während der ganzen Dauerdes Wiener Rumpf-Parlaments fast nur widerspruchslose Beschlüssegefaßt wurden, so zeugte das nicht für die Einstimmigkeit der Gesin-