„Sie schreiben, wie ich höre, die Geschichte des englischen Hofes",sagte Kart II. von England zu dem Mailänder Leti; „nehmen Siesich in acht, daß Sie damit nicht anstoßen." ,,„Sire"", erwidertejener, „„ich werde thnn was möglich ist; aber wenn man auch soweise wäre wie Salomo, so würde man es doch kaum vermeidenkönnen, hier oder da Anstoß, zu geben." " „Nun wohlan, so seinSie so weise wie Salomo und schreiben Sie Sprichwörter, aber keineGeschichte!"
Wir wissen nicht, ob Leti in der Lage war auf diese königlicheReplik zu dupliciren, daß es Verhältnisse gebe, wo man auch Sprich-wörter nicht schreiben könne ohne damit anzustoßen, weil sich ausdem scheinbar unbefängensten eine Anspielung auf jene Verhältnisseherauswittern lasse. Das aber wissen wir, daß die Geschichte einerleidenschaftlich aufgeregten parteizerrissenen Zeit, wie jene derenSchilderung wir unternommen, überhaupt gar nie zu schreiben wäre,wenn das Bedenken, damit nach irgend einer Seite anzustoßen, denAusschlag geben sollte. ^Oder wäre es nur die Geschichte einer nichtlang genug vergangenen, die Geschichte der eigenen Zeit, die manzu schreiben nicht versuchen dürfte? Wir sind über diesen Punktanderer Meinung. Wenn jene, die in sich den Beruf fühlen, nachBöhmer's schönem Ausspruch, „das Gedächtnis für die Gesammtheit"zu sein, ohne Nebengedanken nur allein von der Absicht, der geschicht-lichen Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen, sich leiten lassen, dann