23. Kapitel.
Die moralische Wirkung unseres abyssinischen Feldzuges war eineungeheure, soweit civilisierte und halbcivilisierte Völker die Kunde da-von empfingen. Wir selber hatten uns heilsame Folgen versprocheninsofern, als wir voraussahen, daß die vor aller Welt abgelegte glän-zende Kraftprobe unseren Widersachern Vorsicht und größere Geneigtheitbeibringen werde, auf unsere gerechten Wünsche einzugehen. Doch derErfolg übertraf unsere kühnsten Erwartungen weitaus- Nicht einge-schüchtert, sondern bekehrt wurden die bisherigen Gegner der wirt-schaftlichen Gerechtigkeit, was indessen mehr uns Freiländer, als unsereauswärtigen Freunde zu überraschen schien. Wir vermochten nicht rechtzu begreifeil, warum Leute, die Jahrzehnte lang unsere socialen undwirtschaftlichen Bestrebungen für thöricht oder verwerflich gehaltenhatten, aus der Thatsache, daß unsere jungen Leute sich als trefflicheKrieger erwiesen, urplötzlich die Schlußfolgerung zogen, es sei möglichund nützlich, jedem Arbeitenden den vollen Ertrag seines Fleißes zu-zuwenden. Uns, die wir unter der Herrschaft der Vernunft und Ge-rechtigkeit lebten, wollte der Zusammenhang zwischen diesen und derWirkung unserer Gewehre und Geschütze nicht einleuchten; außerhalbFreilands jedoch, wo noch immer nackte Gewalt die letzte Quelleallen Rechtes war, hielt es ersichtlich Jedermann — selbst der grundsätzlicheAnhänger unserer Ideen — für selbstverständlich, daß die blitzartigzerschmetternden Schläge, unter deren elementarer Wucht der Negusvon Abyssinien erlegen, das untrüglichste ^.i-Aninsntnin aä lloininsinfür die Vorzüglichkeit unserer gesamten Einrichtungen seien. Insbesonderedas urplötzliche siegreiche Auftreten einer freiländischen Flotte wirkteda draußen gleichwie ein entscheidendes Beweismittel dafür, daß diewirtschaftliche Gerechtigkeit keine wesenlose Utopie, sondern sehr reelle