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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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22. Kapitel.

Massaua, 25. September.

Wenn ich mich recht entsinne, sind es genau ein Monat und einTag, daß ich mein letztes Schreiben an Dich sandte; binnen dieserkurzen Frist haben sich Ereignisse abgespielt, welche Euch drüben imalten Europa gar mancherlei Überraschungen gebracht haben dürftenund die — täusche ich mich über die Absichten meiner neuen Landsleutenicht — m ihren mittelbaren Folgewirkungen für die ganze bewohnteErde von entscheidender Tragweite sein werden. Die Freiheit der Weltist es — so glaube ich — die auf den Schlachtfeldern des Roten Meeresund der Gallaländer gesiegt hat — nicht bloß über den unseligenJohannes von Abyssinien, sondern auch über gar mancherlei Tyrannei,die inmitten Euerer sogenannten civilisierten Welt geknechtete Menschendarniederhält. Doch wozu sich in Vermutungen ergehen über Dinge,welche die nächste Zukunft schon zur Entscheidung bringen muß; meinheutiger Brief dient dem Zwecke, Dich meines ungetrübten Wohlbefindenszu versichern und Dir den freiländisch-abyssinischen Feldzug zu schildern,den ich vom ersten bis zum letzten Kanonenschüsse mitgemacht.

Am 25. August, also zwei Tage, nachdem der erste Kampf statt-gesunden, erhielt die Edenthaler Zentralbehörde das Ultimatum desNegus, in welchem dieser erklärte, daß er gegen Freiland nichts Bösesim Schilde führe, sondern die Waffen nur deshalb ergriffen habe, umsich und — Freiland gegen eine europäische Invasion zu schützen, diediesem, wie er erfahren habe, aufgenötigt werden solle. Da wir nichtdie Macht besäßen, seine Feinde von unseren Grenzen fernzuhalten, sogebiete ihm die Pflicht der Selbsterhaltung, von uns die Auslieferungeiniger strategisch wichtigen Punkte zu verlangen. Fügten wir unsdiesem Begehren, so wolle er unsere Freiheiten und Rechte im übrigen