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thatsächlichen Einkommens mit der Gleichberechtigung nichts zu thunhabe? Ich meinerseits muß gestehen, daß mir jene nutzlose Anhäufungüberflüssiger Reichtümer, die wir in der ausbeuterischen Gesellschaft zubeobachten Gelegenheit haben, an und für sich widerwärtig gewordenist, auch wenn ich mich überzeugt habe, daß das Elend der Massenweder in diesem Überflüsse einer kleinen Minderzahl seinen letzten Grundhabe, noch sich durch Verteilung dieses Überflusses wesentlich lindernließe. Eine gesellschaftliche Ordnung, welche diese geilen Überschüssenicht beseitigt, wird in meinen Augen immer unvollkommen bleiben,mag sie im übrigen noch so ausreichend für den Wohlstand Aller Sorgetragen."
„Auch ich kann dieses Gefühles nicht ganz Herr werden", meintemein Vater. „Aber ich bin der Ansicht, daß in dieser Auflehnung gegendie Ungleichheit an sich, denn doch nichts anderes zu suchen sein dürfte,als die sittliche Empörung, welche in jedem unbefangen denkendenMenschen gegen die bisherigen Ursachen der Ungleichheit Wurzel ge-schlagen hat. Wir sehen bei uns zu Hause, daß große Vermögen fastniemals in hervorragenden individuellen Anlagen, sondern regelmäßigbloß in der Ausbeutung der Nebenmenschen ihren Entstehungsgrundhaben, und daß sie ebenso regelmäßig zu neuer Ausbeutung benutztwerden. Das ist's, was uns dagegen einnimmt. Könnten noch sogroße Vermögen bloß durch hervorragende persönliche Fähigkeiten ent-stehen und vermöchte man sie zu nichts anderem zu gebrauchen, alszur Steigerung der individuellen Genüsse, wie dies in Freiland alleszutrifft, so würde auch die nicht hinwegzuleugnende Abneigung gegendieselben rasch aufhören. Was ist übrigens die Meinung unserer liebens-würdigen Wirtin über diesen Punkt?"
„Der Widerwille gegen übergroße Vermögen" — erklärte diese —„ist meines Erachtens nicht bloß in der ungerechten Quelle und Ver-wendung derselben zu suchen, sondern liegt tiefer, in der Erkenntnisnämlich, daß von sehr vereinzelten Ausnahmen abgesehen, die Ver-schiedenheiten in den Fähigkeiten der Menschen nicht so einschneidendsind, um so gewaltige Differenzen des Reichtums genügend zu recht-fertigen. Der Reichtum einer hochkultivierten Gesellschaft besteht zuderart überwiegendem Teile aus den Hinterlassenschaften der Vergangen-heit und zu verhältnismäßig so geringem Teile aus den ureigenenLeistungen der einzelnen Individuen, daß ein gewisser Grad der Gleich-heit — nicht bloß der Rechte, sondern auch der thatsächlichen Genüsse— allerdings im Wesen der Sache begründet und ein Gebot der Ge-rechtigkeit ist. Jeder Fortschritt der Kultur ist gleichbedeutend mitfortschreitender Ausgleichung der Differenzen der Leistungsfähigkeit.Denken Sie sich zurück in den Urzustand, wo das Individuum denKampf ums Dasein der Hauptsache nach mit den ihm angeborenen