20. Kapitel.
Edenthal, den 16. August.
Du äußerst in Deinem letzten Briefe einige Verwunderung darüber,daß unser Gastfreund aus seinem bloß 1440 Pfund betragenden Gehalteals Verwaltungschef von Freiland einen Hausstand gleich dem Dirbeschriebenen zu führen, eine elegante Villa mit zwölf Wohnräumen zubewohnen, feine Küche, Wagen und Reitpferde zu halten, kurzumeinen Luxus zu treiben vermöge, den sich bei uns daheim nurdie Reichsten gönnen dürfen. Die Erklärung liegt darin, daß Dank derwunderbaren Organisation von Arbeit und Verkehr hier eben allesfabelhaft billig ist, ja zahlreiche Dinge, die in Europa und Amerikarecht viel Geld verschlingen, den freiländischen Haushalt überhaupt nichtbelasten, da sie vom Gemeinwesen unentgeltlich beigestellt werden undihre Deckung schon in den vom Reineinkommen vorweg abgezogenenSteuern finden. So erscheinen z. B. bei den Reisekosten die Fahrpreiseauf Eisenbahnen nnd Dampfschiffen auch nicht mit einem Heller, da,wie Du schon aus meinen früheren Briefen entnommen haben kannst,das freiländische Gemeinwesen den Personentransport unentgeltlich be-sorgt. Das Gleiche gilt bei allen Telegraphen, Telephonanstalten,Briefpost, elektrischer Beleuchtung, mechanischer Kraftabgabe u. dergl.Beim Frachtentransporte zu Lande und Wasser dagegen läßt sich diefreiländische Verwaltung die Selbstkosten ersetzen. Bemerken will ichbei diesem Anlasse noch, daß beinahe jede freiländische Familie durch-schnittlich zwei Monate des Jahres aus Reisen wendet, die meist denwundervollen und mannigfaltigen Naturschönheiten des eigenen Landesgelten, teils auch — dies jedoch seltener — bis ins entfernte Auslandsich erstrecken. Jeder Freiländer nimmt alljährlich mindestens sechs, bis-