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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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19. Kapitel.

Edenthal, den 11. August.

Die Mitteilungen und Aufklärungen des Direktors der freiländischenCentralbank beschäftigten meinen Vater und mich noch lange aufs leb-hafteste. Da dieser zu den Intimen des Ney'schen Hauses zählendehohe Beamte für den nächsten Tag dort speiste, so bewegte sich dasTischgespräch um verwandte Themata. Zunächst wurde von meinem Vaterdie Frage aufgeworfen, in welcher Weise das freiländische Gemeinwesender Gefahr von Krisen begegne, die seines Erachtens hier viel ver-hängnisvoller sein müßten, als irgend anderwärts.

„Krisen welcher Art immer — war die Antwort — müßten aller-dings das Um und Auf der freiländischen Institutionen geradezu indie Luft sprengen; aber sie sind hierzulande eben unmöglich, die Quelle,aus welcher sie anderwärts entspringen, ist verschüttet. Denn die Ursachealler Krisen, sie mögen nun Produktions- oder Kapitalkrisen heißen,liegt einzig in der Überproduktion, d. h. in dem Mißverhältnisse zwischenProduktiv- und Konsumtionskraft und dieses Mißverhältnis existiertbei uns nicht. Allerdings behaupteten auch in der alten, ausbeuterischenWelt die Nationalökonomen, es gebe gar keine wirkliche Überproduktion,d. h. keine allgemeine Unverwendbarkeit von Produkten; denn, so führtensie aus, der Mensch arbeitet doch nur, sofern ihn irgend ein Bedürfnis dazuantreibt und es ist daher der Natur der Sache nach ausgeschlossen, daßjemals mehr Güter erzeugt, als gebraucht werden könnten. Das istauch, unter einer Voraussetzung, auf die ich sofort zu sprechen kommenwerde, vollkommen richtig. Jedermann will das, was er erzeugt, zurDeckung irgend eines Bedarfs gebrauchen; er will sein Produkt entwederselber verwenden oder gegen das Erzeugnis eines anderen Produzentenaustauschen; was dieses andere Erzeugnis sei, ist gleichgültig, irgend