Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

201

wiederholt. Die Direktoren würden sich mit weit geringeren Gehaltenbegnügen, und von der Direktion ausgehende Anträge auf Gehalts-ermäßigung sind insbesondere in den letzten 10 Jahren, seitdem derWert der Stundenäquivalente so sehr gestiegen ist, in den meistenGeneralversammlungen geradezu stehende Formeln geworden. Ichwiederhole, daß diese Ermäßigung inimer nur mit Bezug auf denAnsatz in Stundenäqnivalenten zu verstehen ist; der Wert der Arbeits-stunde hat sich binnen 20 Jahren vervierfacht; wer also, wie z. B. wiröffentlichen Verwaltungschefs, um 28 Prozent weniger Stundenwerteerhält, als ursprünglich, dessen Einkommen hat sich, in Geld berechnet,doch nahezu verdreifacht. Die Associationen aber wollen in der Regelauch von einer so verstandenen Gehaltermäßigung nichts wissen. Siebesorgen, daß trotz aller von ihren Direktoren an den Tag gelegtenGeneigtheit, sich mit geringeren Bezügen zu begnügen, denn doch dereine oder andere sich von einer konkurrierenden, höhere Bezüge zahlen-den Gesellschaft ihnen werde abspenstig machen lassen, und da thätsäch-lich angesichts der Riesensummen, die solch eine große Gesellschaft imJahre umsetzt, einige hundert Pfund auf oder ab gar nicht die Redewert sind, so geht es bei den Associationen mit der Gehaltsreduktionnur langsam vorwärts. Trotzdem gleicht sich der Abstand zwischenhöchstem und geringstem Verdienste durchweg immer mehr aus, da wirin Folge der steigenden allgemeinen Bildung dem Gleichgewichte zwischenAngebot und Nachfrage auch in den höheren, besondere Fähigkeitenvoraussetzenden Berufen stets näher kommen. Sollte dies Gleichgewichtdereinst vollkommen erreicht werden, was mit der Ausdehnung unsererEinrichtungen auf die gesamte Menschheit und dem damit verknüpftengänzlichen Verschwinden ungebildeter Massen unzweifelhaft stattfindendürfte, so ist es unsere Meinung, daß auch die Unterschiede der Gehalte,gänzlich verschwinden, oder doch auf ein Minimum sinken werden."

Lord Elgin dankte für diese Aufklärung. Jetzt aber trat SirBartelet mit einer weitaus wichtigeren Frage hervor. „Was mir beiBesichtigung des bewältigenden Getriebes Ihrer Centralbank neuerlichund ganz besonders ausgefallen ist", meinte er, „und worüber ich mirnoch immer keine volle Rechenschaft zu geben vermag, das ist die Frage,wie es ohne Willkür und kommunistische Einrichtungen möglich ist,Kapitalien, und zwar so ungeheure Kapitalien, wie sie bei Ihnen er-forderlich sind, aufzubringen, ohne daß Kapitalzins gezahlt oder berechnetwird. Daß der Zins die notwendige und gerechte Belohnung desKapitalisten für die „Entbehrungen" sei, die er sich auferlegte, glaubeich zwar nicht; aber ich hielt ihn für den Tribut, den man dem Sparerdafür zahlen müsse, daß seine freiwillige Sparsamkeit die Gesellschaftder Notwendigkeit ungerechten Sparzwanges enthebt, der sonst vonObrigkeitswegen ausgeübt werden müßte. Was ich nun endlich wissen