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die Grundstimmung unseres eigenen Wesens bilden, so ist es schlechter-dings unmöglich, daß der Angehörige einer von wahnsinniger Angstvor dem Hunger bis ins innerste Mark aufgewühlten Gesellschaft, jemalsin ungetrübter Sorglosigkeit seines Lebens sich freue. Wo die unge-heure Mehrzahl der Zeitgenossen niemals weiß, was der morgige Tagbringen mag, ob eine fernere Fristung des jammervollen Daseins oderden völligen wirtschaftlichen Untergang, unter dem Obwalten einer so-cialen Ordnung, die den eigenen Erfolg im Daseinskämpfe davon ab-hängig macht, daß es uns gelinge, dem gierig nach unserem Brote lech-zenden, gleich uns von fiebernder Angst gerüttelten Konkurrenten seinBrot aus den Zähnen zu reißen; in einer Gesellschaft, wo jedermannjedermanns Feind ist, von wirklich heiterem Lebensgenüsse zu sprechen,ist der Gipfel des Unsinns. Kein persönlicher Reichtum gewährt Schutzgegen den zermalmenden Jammer der Gesamtheit der Mitlebenden.Dem hundertfachen Millionär, der nicht den hundertsten Teil der Zinsenseiner Zinsen in Wirklichkeit verzehren kann, ihm greift das schrecklicheHungergespenst mit ebenso scharfen Krallen ins Gemüt, wie dem elendestender Elenden, der obdachlos, frierend und hungernd durch die StraßenEurer Großstädte irrt. Der Unterschied zwischen beiden liegt nicht imHirn und im Herzen, sondern lediglich in den Haut- und Magennerven;der zweite empfindet auch körperlich, was der erste blos seelisch und geistigempfindet. Die seelischen und geistigen Leiden aber sind die dauern-den und deshalb wirksameren. Betrachtet ihn doch, Eueren vom wahn-witzigen Hungerfieber besessenen Krösus, wie er atemlos nach immerneuem und neuem Erwerbe hastet, wie er sich und der Seinen Glückund Ehre, Genuß und Frieden dem Götzen schlachtet, von welchem ersich Hilfe in der allgemeinen Not erwartet, dem Götzen des Mammons.Denn nicht besitzt er seinen Reichthum, er ist von ihm besessen. Besitzauf Besitz will er häufen, vermeinend, daß er hoch oben auf demschwindelnden Gipfel zahlloser Millionen Sicherheit erlangen könntegegen das Meer von Elend, das ihn grauenerregend rings umbrandet;ja, so verblendet ist der Thor, daß er nicht einmal bemerkt, wie nurder Ozean des allgemeinen Elends es ist, was ihm Grauen einjagt,vielmehr des traurigen Wahnes lebt, seine Angst werde sich mindern,wenn der Abgrund da unten noch tiefer und schauerlicher sich ab-hebt von seinem schwindelnden Sitze da oben. Und man glaube nichtetwa, daß unter dieser gespenstigen Angst vor dem Hunger bloß dieThorheit Einzelner gemeint sei. Das ganze Zeitalter ist davon besessen,und gerade die besten Naturen am ineisten. Denn je empfänglicherKopf und Herz sind, zu desto schrankenloserer Vorherrschaft gelangt dasGemeingefühl der allgemeinen Not dem vorübergehenden persönlichenBehagen gegenüber; bloß vollkommen kaltherzige Egoisten oder vollendeteIdioten machen hie und da eine Ausnahme; bloß sie können sich, un-