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Nachdem wir schon an zahllosen öffentlichen Gebäuden vorbeige-fahren waren, deren Bestimmung mir zum Teil nur schwer begreiflichgemacht werden konnte, da unser „civilisiertes" Europa nichts ihnenÄhnliches besitzt — ich nenne Dir beispielsweise bloß das Institut für„anthropologische Zuchtversuche", welches den Zweck hat, durch Experimentund Beobachtung festzustellen, welchen Einfluß Erblichkeit, Lebensweise,Nahrung auf die Entwickelung des Menschen äußern -— fiel es mirauf, daß wir noch an keinem Spital vorbeigekommen. Da ich nunbegierig war zu sehen, wie die weltberühmte freiländische Humanität,die seit Jahren mindestens die Hälfte aller Spitäler der Weltmit reichen Mitteln ausstattet, daheim im eigenen Lande sich der armenKranken auuehme, bat ich David, uns doch in ein solches zu führen.„Ich kann Dir ebensowenig ein Spital, als einen Kerker oder eineKaserne in Edenthal zeigen, aus dem sehr einfachen Grunde, weil wirderen in ganz Freiland keines besitzen", war dessen Antwort.
„„Den Mangel von Kerker und Kaserne lasse ich gelten; manweiß ja, daß Ihr Freiländer Euch ohne Kriminal- und Militärwesenbehelft; aber — so meinte ich —Krankheiten muß es doch auch hier geben,diese haben doch mit Euren socialen Einrichtungen nichts zu thun!""
„Letzteres kann ich zwar nicht so unbedingt zngeben", mengte sichhier Vater Ney ins Gespräch; auch die Krankheiten haben unter deniEinflüsse unserer socialen Institutionen abgenommen; aber verschwundensind sie in der That nicht; wir haben Kranke auch in Freiland — aberkeine armen Kranken, weil wir eben keine Armen haben, weder kranke,noch gesunde. Wir besitzen daher auch nicht jene Sammelstellen desMassensiechtums, die man da draußen mit dem Namen „Spital" be-zeichnet. Anstalten, in denen sich Kranke unter besonderer Aufsichtverpflegen lassen können, haben wir allerdings und sie werden insbe-sondere in Fällen schwierigerer chirurgischer Operationen häufig aufge-sucht; sie gleichen in ihrer Einrichtung wie in ihrem Gebaren durchwegsIhren feinsten Sanatorien für „distinguierte Patienten".
Wir waren inzwischen des Fahrens müde geworden, was nachnahezu vierstündiger Rundfahrt trotz des sanften Ganges und der be-quemen Einrichtung der Wagen erklärlich erscheint. Neys machten daherden Vorschlag, den automatischen Wagen heimzuschicken und den Rück-weg zu Fuße anzutreten, was von uns gern angenommen wurde. Wirhielten vor einem der Stationshäuschen der Transportgesellschaft, ließendort das Gefährte zurück und durchschritten die schattigen Alleen, vondenen die Edenthaler Straßen eingesäumt sind. Jetzt hatten wir Muße,die zierlichen Privathäuser näher zu betrachten, die zwar alle den eigentüm-lichen, halb an den maurischen, halb an den griechischen erinnerndenEdenthaler Baustil zeigen, im übrigen aber weder an Größe noch anAusstattung gleich sind. Dm vornehmsten Reiz dieser Villen bilden