16. Kapitel.
Edenthal, den 18 . Juli.
Erst heute komme ich dazu, den vor Wochenfrist unterbrochene»Bericht über unsere hiesigen Erlebnisse wieder aufzunehmen. Begreif-lich wirst Du finden, daß wir beide, mein Vater und ich, vor Begierdebrannten, die Stadt zu besichtigen, welchen Wunsch erratend, uns HerrNey schon am Morgen des ersten Tages einlud, unter seiner und seinesSohnes Führung eine Rundfahrt durch Edenthal zu unternehmen. DerWagen warte schon.
Es war das ein leicht und elegant gebautes Gefährte auf stählernen,denen eines Velocipeds ähnlichen Rädern, mit zwei bequemen, für jezwei Personen ausreichenden Sitzen. Da wir beide Davids zum Ein-steigen auffordernde Handbewegung mit betretenen Mienen aufnahmenund keine Anstalt machten, der Einladung Folge zu leisten, bemerktedieser erst, daß wir die — Pferde vermißten. Er sah sich also be-müßigt, uns zu erklären, daß man hierzulande aus mancherlei Gründenim Wagenverkehr, insbesondere im städtischen, die thierische Zugkraftdurch mechanische ersetzt habe. Das sei sicherer, reinlicher und nebenbeiauch billiger. Der Lenker dieser Gefährte, einer Art Draisinen, dessenPlatz rechts auf dem vorderen Sitze ist und dessen Amt keinerlei Kraft-aufwand oder besondere Kunstfertigkeit erfordert, setzt durch einen leich-ten Druck nach abwärts auf eine zur rechten Hand angebrachte kleineHebelstange den Wagen in Bewegung, und zwar in desto raschere, jestärker gedrückt wird; ein Zug nach aufwärts verlangsamt den Gangoder bringt das Gefährte zum Stillstand; das Ausweichen oder Um-lenken nach rechts oder links wird durch entsprechende Drehbewegungendesselben Hebels hervorgebracht. Die Kraft, welche die Räder in Be-wegung setzt, ist weder Dampf noch Elektricität, sondern die Elasticität