Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

121

jenen Verwaltnngszweigen, bei denen er das Gewicht seiner Stimmegeltend macht, einigermaßen Fachmann sei. Die Wahlen befinden sichdaher durchweg in sehr guter Hand, Beeinflussung der Wählerschaftendurch phantastische Vorspiegelungen oder Versprechungen wäre, selbstwenn versucht, niemals von Erfolg. Es giebt keinen Wähler, der fürsämtliche zwölf Vertetungskörper wählen würde; speziell die Frauenhalten sich mit verschwindenden Ausnahmen fern von den Wahlen, dienach Berufsklassen vorgenommen wurden; dagegen beteiligen sie sichsehr lebhaft an den nach Wohnbezirken stattfindenden und bei denenfür Unterrichtswesen z. B. geben ihre Stimmen den Ausschlag. Auch ihrpassives Wahlrecht kommt zur Geltung und in den Vertretungskörpernfür Versorgungswesen, Kunst und Wissenschaft, Sanitätswesen undJustiz sitzen häufig, in dem für Unterricht stets mehrere Frauen. Ander Exekutive beteiligen sie sich in der Regel nicht. Der Vollständig-keit halber mag noch erwähnt werden, daß die gewählten Abgeordnetenfür ihre Thätigkeit bezahlt werden und zwar erhalten sie für jedenTag der Sessionsdaner je acht Stundenüquivalente.

Nachdem die Verfassung von der Konstituante angenommen wordenwar, löste sich diese auf und es wurden sofort die Wahlen für diezwölf Vertretungskörper vorgenommen. Pünktlich am 20. Oktobertraten diese zusammen und der Ausschuß legte in deren Hände seineGewalten nieder. Die alten Ausschußmitglieder wurden jedoch alsChefs der verschiedenen Verwaltungszweige wiedergewählt, mit Aus-nahme von Vieren, welche erklärten, kein öffentliches Amt mehr anzu-nehmen und an deren Stelle neue Männer traten. Die Regierungvon Freiland war endgiltig konstituiert.

Inzwischen hatten die drei zur Feststellung der geeignetsten Banliniefür eine Eisenbahn an die Küste entsendeten Expeditionen ihre Arbeitbeendet. Die Entscheidung fiel zu Gunsten der kürzesten Route, imDanathale an die Wituküste, und der Bau wurde unverzüglich begonnen.Genau fünf Jahre, nachdem unsere Pioniere zum erstenmale den Bodenvon Freiland betreten hatten, begrüßte die erste Lokomotive, die denTag zuvor noch die Brandung des indischen Oceans an die Uferschlagen gesehen, die Gletscher des Kenia mit gellendem Pfiff.

Während aber diese Arbeiten im Zuge waren, und die unauf-haltsam anwachsende Bevölkerung von Freiland in engere Berührungmit der alten Heimat trat, hatten sich in den Beziehungen zu unsereneingeborenen afrikanischen Nachbarn wichtige Veränderungen vollzogen,teils friedlicher, teils kriegerischer Natur, die von nicht minder bedeut-samem Einflüsse auf den Entwickelungsgang unseres Gemeinwesens waren.

Zunächst hatten die Massai von Leikipia und aus dem Seengebietezwischen Naiwascha und Baringo aus eigenen! Antrieb und auf eigeneKosten, wenn auch unter Anleitung von ihnen erbetener freiländischer