ich dieselbe den gleich mir über dieses erste Lebenszeichen von denfernen Freunden seltsam bewegten Genossen vorlesen. Sie war sehr-kurz: „Dank für hocherfrenlichc Nachricht; Mitgliederzahl derzeit 10000überschritten; Wagen für je 10 Personen und 20 Zentner Last nachBedarf bestellt; werden von Ende September ab successive in Mombascintreffen. 260 Reiter mit 300 Tragtieren und 800 Zentner Warengehen Ende Juli ab. Bitten um möglichst häufige Nachricht." Letz-terem Wunsche war seither meinerseits schon entsprochen worden,denn nicht weniger als fünf fernere Depeschen hatte ich zwischen dem6. und 21. Juli expediert. Was dieselben enthielten, wird sich ambesten aus dem weiteren Laufe der Erzählung über unsere Erlebnisseund Arbeiten ergeben. Und zwar sind von da ab zweierlei Vorgängezu unterscheiden: Kulturarbeiten in der neuen Heimat am Kenia, undVorkehrungen behufs Sicherstellung und Erleichterung des Verkehrs mitder Küste.
Unser Lager hatten wir am Abend des letzten Juni am Ufer einesansehnlichen Flusses aufgeschlagen, des wasserreichsten, den wir bishergetroffen. Die Breite desselben betrug 30 bis 40 Meter, seine Tiefeschwankte zwischen 1 und 3 Metern. Seine Fluten waren klar undkühl, sein Gefäll jedoch ein auffallend mäßiges. Er durch strömte vonNordwest nach Südvst ein muldenartig sanft eingebuchtetes Tafelland vonnahezu 30 Kilometer Länge, welches sich halbmondförmig an die Vor-berge des Kenia schmiegte; dessen größte Breite in der Mitte betrug14 Kilometer, während es sich am Westende bis auf l*/^ am Ostendebis auf 4 Kilometer verengte. Diese etwa 260 Quadratkilometer be-deckende Mulde war durchweg saftiges Grasland, bestanden von zahl-reichen kleinen Palmen-, Bananen- und Sykomorenhainen. Begrenztwar dieselbe im Süden von den grasbedeckten Hügeln, die wir über-schritten hatten, im Westen von schroffen Felswänden, im Norden teilsvon dunkeln Waldbergen, teils gleichfalls von kahlen, himmelanstreben-den Felsen, welche die Aussicht nach dem hinter ihnen liegenden Kenia-Massiv benahmen; im Osten zeigte sich zwischen den Hügeln des Südensund den Felsen des Nordrandes eine Lücke, durch welche der Flnßseinen Abzug fand, und zwar, wie von dorther trotz der großen Ent-fernung herübertönendes Donnern und Brausen anzeigte, in Form einesmächtigen Wasserfalls, der sich als ein solcher von 95 Metern Fallhöheergab. Seinen westlichen Eintritt in das Tafelland fand dieser Fluß,der sich späterhin als der Oberlauf des an der Wituküste in den indi-schen Ozean mündenden Dana erwies, durch ein enges Felsenthor, inwelches wir vorerst nicht weiter vorzudringen vermochten. Vom Nordenher, den Abhängen der Keniavorberge entlang, eilten dem Dana vier-größere und zahlreiche kleinere Bäche zu, die während ihres Laufesüber die Felsenschroffen eine Menge mehr oder minder malerischer