Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

ausnehmend wohl befänden. „Fräulein Klara läßt Dich grüßen undDir sagen, sie sehne sich schon recht sehr, Dich an ihr schwesterlichesHerz zu drücken."

Da ich sah, daß Demestre nicht scherze, so gab ich ineinem Pferdedie Sporen, befand mich schon nach wenigen Minuten in einem dertiefschattigen, lanbenartigen Waldwege, die vom offenen Lande nachTaweta hineinführcn, und sah auch bald darauf die beiden Damen, vondenen die eine mit ausgebreiteten Armen ans mich zueilte und michkaum daß ich den Boden berührt hatte, laut weinend ans Herz drückte.Nachdem der erste Sturm des Wiedersehens vorüber war, suchte ich vonmeiner Schwester nähere Aufklärung über die Art ihres Erscheinenshier mitten unter den Wilden zu erlangen; allein das war ein ver-gebliches Bemühen; so oft die Gute auch zu einem Berichte ansetzte,unterbrachen sie Thränen und Ausrufe der Freude über unser Wieder-sehen, sowie des nachträglichen Entsetzens über all die Gefahren, vor denenmich leichtsinnigen Knaben sicherlich nur mein gutes Glück bewahrt.Inzwischen hatten wir uns Miß Fox genähert, die meinen Gruß zwaretwas spöttisch, aber deshalb nicht minder herzlich erwiderte und ausderen Munde ich endlich alles Wissenswerte erfuhr.

Darnach hatten sich also die Beideu gleich bei ihrer ersten Be-gegnung verständigt und das Komplott in seinen Grundzügen an-gelegt, die näheren Vereinbarungen der Zeit nach meiner Abreise ausEuropa vorbehaltend. Meine Schwester hatte in Miß Fox die Energieund die erforderlichen großen Mittel zu einer gegen den Willender Männer auf eigene Faust durchzusetzenden Expedition, Miß Foxdagegen in meiner Schwester die Gefährtin und ältere Beschützeringefunden, ohne welche auch sie vor einem solchen Geniestreich zurück-schreckte. Da insbesondere Miß Fox die Anordnungen unserer Reiseganz genau kannte, so ahmte sie dieselben im Kleinen nach; sie bestelltebei denselben Fabrikanten und Lieferanten, von denen wir unsere Vor-räte, Tauschwaren und Reisegeräte bezogen, auch die ihrigen, ent-schied sich gleich uns für Tragtiere statt für Pagazis, wählte aber,um wenigstens in Einem Punkte originell zu sein, Elefanten stattder Pferde, Kamele oder Esel. Da es überall dort, wo wir hinwollten, wilde, wenn auch bisher niemals gezähmte Elefanten in Mengegebe, so mußten — das war ihr Kalkül, indische Elefanten auch überallim äquatorialen Afrika fortkommen. Ein Geschäftsfreund ihres ver-storbenen Vaters in Kalkutta hatte ihr vier Prachtexemplare dieserDickhäuter verschafft, diese mitsamt acht erprobten indischen Führernund Wärtern nach Aden expediert, wo sie dieselben angetroffen undnach Zanzibar genommen. Hier wurden einige Wegführer und Dolmetschergeworben und um nicht etwa zu nahe an der Küste mit uns zusammen-zutreffen, der Weg über Pangani gewählt, auf welchem ihnen zwar