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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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erstlich glauben könnten, sie und ihre Küchenmagd seien von Naturaus mit gleichem Rechte ausgestattet, und da ich wußte, daß hier alleBekehrungsversuche eitel wären, teilte ich der Guten Jahre hindurchnichts mit von meinen Verbindungen mit Or. Strahl, nichts von derGründung der freien Gesellschaft und von der Rolle, die ich in dieserspielte. Ich wollte ihr den Kummer über meine „Verirrung" möglichstlange ersparen, denn ich liebe diese Schwester zärtlich, deren Abgott hin-wieder ich bin. Seit langen, langen Jahren war meine Betreuung,die ängstliche Sorge um mich, ihr einziger Lebenszweck. Ich wohntebei ihr und sie behandelte mich stets als kleinen Jungen, dessen Er-ziehung ihre Sache sei. Daß ich, ihrer Hut entrückt, länger als höchstenszwei bis drei Tage existieren könne, ohne das Opfer meiner kindlichenUnerfahrenheit und der Bosheit schlechter Menschen zu werden, erschienihr stets als ein Ding der baren Unmöglichkeit. Nun denke man sichdas namenlose Entsetzen dieser meiner Vormünderin, als ich ihr endlichdoch die Eröffnung machen mußte, daß ich nicht nur einer svcialistischenGesellschaft beigetreten, nicht nur mein ganzes bescheidenes Vermögenderen Zwecken geweiht, sondern überdies dazu ausersehen sei, 200 Socialistenin das Innere von Afrika zu führen. Es dauerte mehrere Tage, bissie das Ungehenrebegreifen, glauben lernte; dann kamen Bitten, Thränen,verzweifelte Vorwürfe und Vorstellungen. Ich möge den „Strolchen"mein Geld, auf welches sie es doch allein abgesehen Hütten, ruhig über-lassen und nur ums Himmels willen redlich im Lande bleiben; sie kon-sultierte unseren Hausarzt über meine Zurechnungsfähigkeit, kam aberdabei übel weg, denn dieser war auch einer der Unsrigen, ja sogarMitglied der Expedition; schließlich, da alles nichts fruchtete, er-öffnete sie mir, daß sie, wenn ich durchaus in mein Verderben rennenwolle, mich begleiten werde. Als ich ihr erklärte, dies gehe nicht an,da Frauen nicht mitgenommen würden, führte sie ihr schwerstes Ge-schütz ins Treffen: sie erinnerte mich an unsere verstorbene Mutter, dieihr noch auf dem Todenbette aufgetragen habe, mich nicht zu verlassen,eine letztwillige Anordnung, der ich mich fügen müsse; und als ichauch dem gegenüber hartnäckig blieb, zum ersten Mal in meinemLeben die Bemerkung wagend, die gute Mutter habe mich damit offen-bar bloß während der Zeit meiner Kindheit ihrer Obhut empfehlenwollen, verfiel sie in hoffnungslose Verzweiflung, aus der nichts sieherauszureißen vermochte. Vergebens erschöpfte ich das ganze Arsenalmeiner Trostgründe, vergebens versicherte ich ihr, daß unter unseren200 Pfadfindern immerhin einige ganz erträgliche Kerle seien, die wohlein menschliches Rühren mit mir haben würden, vergebens versprachich ihr, daß sie in Halbjahrsfrist etwa mir Nachfolgen könne — eshalf alles nichts, sie gab mich verloren, und ich begann nachgerade,als der Tag meiner Abreise herannahte, ernstlich in Sorge zu geraten,