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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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Fälle zu schaffen. Am 26. Mai ging diese kleine Flotille unter Führungdreier Freiländer ab und gelangte auch, trotz aller ihr von Seiten derverhetzten Uferanwohner bereiteten Schwierigkeiten ohne Unfall bis Enga-taua, wurde aber hier von einer Rückberufungs-Ordre Or. Wilhelmsereilt. Zwistigkeiten der Genossen und mißgünstiges Verhalten derenglischen Behörden, insbesondere der Angestellten der Brittisch-Ostafrika-nischcn Gesellschaft, hatten diesen Anfangs Juli veranlaßt, die Expeditionanfznlvsen, deren Mitglieder entweder nach Europa znrückkehrten, oder inden deutschen und englischen Kolonien Afrikas auf eigene Faust ihrGlück versuchten.

Es versteht sich von selbst, daß dieser Mißerfolg nicht ohne Einflußauf die Frcilandbewcgnng blieb. Wohl mußte sich jeder Unbefangenesagen, daß das Scheitern einer Forschungsexpedition außer jeglichemZusammenhänge mit Wert oder Unwert der in diesem Buche vertretenenIdeen stehe; das hinderte jedoch nicht, daß die Thatsache entmutigendans zahlreiche der bisherigen Gesinnungsgenossen wirkte. Jedoch keines-wegs auf alle. Die meisten Freilandvereine blieben bestehen ohne inihrer propagandistischen Thätigkeit zu erlahmen, neue Vereine haben sichgebildet und sind unausgesetzt in Bildung begriffen, die deutschen, dänischenund niederländischen Vereine thaten sich zu Verbänden zusammen undeinzelne derselben denken bereits ernstlich an eine Wiederaufnahme desmißglückten Aktionsversuches auf anderem, günstiger gelegenem Boden,ja es schein:, daß verschiedene außereuropäische Regierungen nicht abgeneigtsind, derartige Unternehmungen zu unterstützen.

Ich meinerseits halte es für notwendig, vor neuerlicher Aufnahmepraktischer Kolonisationsthätigkeit eine ausgiebige fernere Kräftigung derFreilandsache abzuwarten. Vor isolirtcm Vorgehen, vor kleinlichen Unter-nehmungen, möchte ich die Gesinnungsgenossen warnen. Es liegt imWesen der freiländischen Ideen, daß dieselben nur gestützt auf alle Er-rungenschaften der modernen Kultur durchführbar sind; wo es an denerforderlichen Kräften mangelt, uns diese zu beschaffen, kann soziale Frei-heit und Gerechtigkeit nicht bestehen. Damit will nicht gesagt sein, daßdie Erfüllung dieser notwendigen Vorbedingung thatenlos abgewartctwerden soll; aber die Thätigkeit, welche vorläufig notthut, ist ii: ersterLinie die propagandistische. Wenn die bisherigen Tausende unsererGesinnungsgenossen zu eben so viel Hunderttausenden geworden sein werden,daun halte ich die Zeit für gekommen, eine zweite Freilandexpeditivnins Werk zu setzen.

Wien, Ende des Jahres 1895.

Theodor Kertzka.