XXIV
Gustav Dcnhardt als landeskundigen Begleiter bis au die Tanafälleuud luüpftc mit dcu cuglischeu Behörde» die notwendigen Beziehuugeu an.
Eiu erstes, wie sich später erwies, sehr folgenschweres Mißgeschickivar es, daß die Deutsche Ostafrikaliuie deu kleine» Flnßdampfer der Expe-dition — „Tana" genannt — auf welchem diese tannanfwärts bisHargazo oder Hameje fahren sollte, auf dem „Reichstag" nicht mitver-laden konnte, da in letzter Stunde ein deutsches Regierungs-Dampfbootangemeldet wurde und den für die „Tana" reservierten Platz auf Deckdes „Reichstag" cinnahm. Unser Dampfer konnte aus diesem Grundeerst Ende März — in Begleitung von 7 ferneren Freiländern — expe-diert werden und traf, da er — angeblich wegen zu hohen Seeganges— vor Lamn angclangt, nicht ausgeladen wurde, mit einer neuerlichenVerspätung von zwei Wochen auf dem Umwege über Sansibar erstMitte Mai in Lamn ein. Inzwischen waren aber die Südwest-Monsnnneangebrochen, welche die Einfahrt in den Tana unmöglich machten. Derganze Operationsplan der Expedition mußte sohin geändert werden, derMonate lange thatenlose Aufenthalt an der Küste erwies sich alsdcprimirend für den Geist und für die Disziplin der kleinen Truppe,die inzwischen durch einige Nachzügler und durch vier Genossen,die sich ihr während der Fahrt angeschlossen hatten, neuerlichvermehrt worden war. Auch der Zufluß von Geldmitteln
stockte, als ans Ostafrika statt der erwarteten Berichte über Thaten derExpedition nur solche über Mißhelligkeiten in deren Schooße eintrafen.Bis zum Juni 1894 hatten die eingeleiteten Sammlungen 87.630,90 Markergeben. Außerdem war eine stattliche Reihe zumeist sehr wertvollerGeschenke eingegangen, unter denen eine Feldapotheke, eine vollständigeKollektion von Ausrüstungsgegenständen für naturwissenschaftlicheSammlungen (vom österreichischen Hofmusenm), 5000 MannlicherPatronen, 100 Werndlgewehre und 3000 Werndlpatronen (vom öster-reich-ungarischen Kriegsministerinm) besondere Erwähnung verdienen.Diese Mittel hätten genügt, wenn die Expedition unverweilt undunter Benützung des Tana als Operativnsbasis an die Lösung ihrerAufgabe hätte schreiten können; sie genügten nicht für den längerenkostspieligen Aufenthalt in Lamn und für die Umgestaltung der Fluß-cxpedition in eine Uebcrlandexpedition. Nichtsdestoweniger wollte I)r.Wilhelm znm mindesten mit einem Teile der seiner Führung unterstelltenGenossen, den Vorstoß an der Kenia wagen. Unter Benützung zweier,zu solchen Zwecken in Europa angekanfter Stahlboote und einiger Wapo-komobovte organisierte er eine Flußexpedition, deren Aufgabe es gewesenwäre, Waren und Proviant tanannfwärts womöglich bis hart an die