worden, den dreißigsten Bogen zn senden, was natürlich schon'nennundzwanzig bereits gedruckte ooraussetzt. Es sollte mir liebsein, wenn dem so wäre. Allein ein Werk dieser Art bedarf langerund mühsamer Vorarbeiten, deren Beendigung nicht erzwungenwerden kann. Das Wörterbuch soll die deutsche Sprache um-fassen, wie sie sich in drei Jahrhunderten ansgebildet hat: esbeginnt mit Luther und schließt mit Goethe. Zwei solcheMänner, welche, wie die Sonne dieses Jahres den edlen Wein,die deutsche Sprache beides, feurig und lieblich gemacht haben,stehen mit Recht an dem Eingang und Ausgang. Die Werkeder Schriftsteller, die zwischen beiden aufgetreten sind, warensorgfältig auszuziehen, nichts Bedeutendes sollte Zurückbleiben.Ich brauche nicht zu sagen, daß die Kräfte zweier, zumal, wennsie über die Mitte des Lebens längst hinweggeschritten sind,nicht zureichen, diesen Schatz zu heben, kaum zu bewegen: aberganz Deutschland (auch hier machte das nördliche und südlichekeinen Unterschied) hat uns treuen Beistand, manchmal mitAufopferung geleistet; oft ist er uns da, wo wir ihn nicht er-warteten, angeboten, nur selten, wo wir ihn erwarteten, versagtworden. Ich kann die Zahl der Männer von den schweizerBergen bis zur Ostsee, von dem Rhein bis zur Oder, welchean der Arbeit theilgenommen haben, nicht genau angeben,aber sie ist beträchtlich: selbst unter den Mitgliedern dieserglänzenden Versammlung erblicke ich einige von ihnen und kannunfern Dank öffentlich aussprechen. In Luther gewann diedeutsche Sprache, nachdem sie von der früheren, kaum wiedererreichbaren Höhe herabgestiegen war, wieder das Gefühl ihrerangeborenen Kraft. Aus Luthers Jahrhundert war, was sichnur erreichen ließ, zn benutzen: hernach hat der dreißigjährigeKrieg Deutschland und sein geistiges Leben verödet; auch dieSprache welkte und die Blätter fielen einzeln von den Aesten;was sich noch irgend auszeichnete, mußte berücksichtigt werden.
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