Druckschrift 
Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

Dunkler Olivenhain, der weithin sprießt.

Wo der Cephiß sanft seine F-lnthen gießt,

Cypress' an der Moschee im TranerkleidUnd am Kiosk der Thnrmchen Helligkeit,

Einsame Palm', in heil'gcr Stille stummBei Theseus' altehrwnrd'gem Heiligthnm;

Dies alles fesselt durch der Farben Pracht

Stumpf ist der Mensch, den kalt läßt solche Nacht,

Nicht tost jetzt weithin Aegeus' Meer, vom StreitDer Element' hat's seinen Schoß befreit,

Schon lächeln seine Wellen wieder hold

Und breiten Schmuck vom Saphir aus und Gold;

Nur ferner Inseln Schatten trübt dies BildDräuend, da friedlich blickt die See und mild.

Diese Schilderung zeichnet sich durch Bewegung cius, indemerst die Sonne sinkt, dann die Nacht anbricht. Die dazwischeneingelegte Strophe aber ist zu rhetorisch, und die den Schlußbildende Aufzählung der so malerisch hervorgehobenen schönenEinzelheiten, die wir auf einem Gemälde einer attischen Mond-nacht mit einem Blick überschauen und empfinden wurden,diese Aufzählung nach einander kann vor Lesfings Laokoon nichtbestehen. Die Schilderung hat übrigens keinen Zusammenhangmit dem Folgenden; sie war ursprünglich für denFluch derMinerva" geschrieben, wurde vom Dichter daraus entnommenund imKorsar" eingeschaltet. Davon muß man sagen:Lurpnrsus, lats gni «plainlaal, muw 6l aller

^88Uilnr MINNI8,

Als Byron auftrat, fand eine so chaotische Gährung aufallen Gebieten des Lebens mit Einschluß der Literatur statt,daß das Kunstideal den Blicken schwand, daß Rhetorik mehr wirkteals keusche Zurückhaltung der Poesie, Byron gewann rauschendenBeifall, weil viele Stellen seiner Dichtungen nach Goethes Ausdruckverhaltene Parlamentsreden waren. Seine Bedeutung für die

(W)