DIB DAUER DER PSYCHISCHEN ACTE. 289
Wahrnehmung erwarteter und bekannter Eindrückeuntersuchten, haben wir gesehen, dass die Reproductiondabei ins Spiel kommt und mit der augenblicklichenWahrnehmung sich innig verbindet.
Wir können uns einen zwischen zwei Eindrückengelegenen Zeitraum in der Erinnerung grösser oderkleiner vorstellen, als er wirklich ist. ln der That findetsich das erste ganz allgemein bei kleinen, das zweite beigrösseren Zeiträumen. Dies ist schon aus der gewöhn-lichen Selbstbeobachtung bekannt. Wenn wir einen Zeit-abschnitt unseres Lebens vor unserm Gedächtniss vor-übergleiten lassen, so kommt uns ein kurzer Zeitraumim Verhältniss immer grösser vor, als ein langer. EinMonat, ein Jahr werden beide in unserer Erinnerungkürzer, aber das Jahr verkürzt sich verliältnissmässig ammeisten.
Dieses Gesetz hat übrigens durch genaue Versuchefestgestellt werden können. Wenn wir uns z. B. Bruch-theile einer Secunde vorzustellen suchen, so machen wiruns unwillkürlich eine zu grosse Zeitvorstellüng; dasEntgegengesetzte geschieht bei der Vorstellung mehrererMinuten oder Stunden. Vierordt hat für kleinere Zeit-intervalle diese Erscheinung experimentell erforscht,indem er die Pendelschläge eines Metronoms beobachtenund dann durch eigene Einstellung den Beobachter die-jenige Schlagfolge hervorbringen liess, welche ihm ebensoschnell, wie die zuvor gehörte, erschien. Es fiel dabeidie nachgemachte Zeit länger aus als die wahrgenommene,wenn diese klein, kürzer, wenn sie gross war. Dazwischenlag ein Indifferenzpunkt, wo ungefähr die richtige Ein-stellung getroffen wmrde. Doch sind hier die individuellenSchwankungen ziemlich gross. Bei sich selbst fandVierordt jenen Punkt für den Tastsinn bei 2,2" bis 2,5",
Ri bat, Psychologie. in