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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
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165
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RECHNER UND DIE PSYCHOPHYSIK. 165

und man wird das schwerere Gewicht bald als dasschwerere, bald als das leichtere bezeichnen. Für jedeszu vergleichende Paar von Gewichten werden so auf einebestimmte Zahl von Urtheilen auch eine bestimmte An-zahl falscher und richtiger kommen. Je mehr der Unter-schied der Gewichte wächst, um so mehr Avird die Zahlder wahren Urtheile auf Kosten der falschen zunehmen.Beträgt die Gesammtsumme der Fälle 100 und die Zahlder richtigen 70, so lässt sich die Vergleichung derbeiden Gewichte A und JB durch das Verhältniss 70 /iooausdrücken. Ist nun ein Gewicht u gegeben, so kannman suchen ein Gewicht b zu bestimmen, welches imVergleich zu a dasselbe Verhältniss 70 /ioo ergiebt 1 ).

Die Methode der mittleren Fehler besteht darin,dass man zuerst ein Normalgewicht A nimmt, welchesmit Hülfe der Wage genau bestimmt ist. Dann suchtman lediglich mit Hülfe des Urtheils ein anderes Ge-wicht B zu bestimmen, welches A gleich zu sein scheint.Im Allgemeinen Avird man bei dieser Schätzung einenFehler begehen, Avelcher um so geringer ausfallen wird,je grösser die Empfindlichkeit ist. Diesen Versuch stelltman häufiger an, addirt die positiven und negativenFehler, theilt die Gesammtsumme durch die Anzahl derVersuche und erhält so den mittlern Fehler.

Diese drei Methoden führen auf verschiedenensich ergänzenden Wegen zu demselben Ziele. Bei derersten wird die Grenze zwischen übermerklichen unduntermerklichen Unterschieden als eben merklicher Un-terschied beobachtet, bei der zweiten werden übermerk-liche Unterschiede gezählt (die nach Zufälligkeiten bald

i) Hierbei werden die unentschiedenen Fälle zur Hälfte denrichtigen, zur Hälfte den falschen Fällen zugezählt.