DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 153
chologische Schwierigkeit aufgehalten. Nichts scheinteinfacher zu sein, als die Behauptung: das ist ursprüng-lich, das ist erworben; dies ist eine Thatsache, dies eineInduction; und doch hat der Leser gesehen, wie schwierigin manchen Fällen eine solche Behauptung ist. Soscheint die Wahrnehmung ganz bestimmter Farben, desRoth, Grün, ein Act der unmittelbaren Erkenntniss unddeshalb für ein gesundes Organ kein Irrthum möglich zusein. Und doch zeigen die simultanen Contrast-erscheinungen, d. h. die Modificationen, welche die ver-schiedenen Farben erleiden, wenn man sie neben einanderlegt, dass hier ein verwickelterer Process vor sich geht,als die gewöhnliche Wahrnehmung, dass hier der Anfangeiner Deutung vorliegt. Um wie viel schwieriger werdenalso in verwickelteren Fällen Empfindung und Schlusszu trennen sein. — Heben wir endlich noch hervor, dassman mit Unrecht geglaubt hat, jeder der beiden Schuleneinen unveränderlichen philosophischen Zweck zuschreibenzu können. Der Nativismus kann ebensogut materiali-stisch wie idealistisch sein. In ersterem Falle wird mandie angeborene Kenntniss vom Raume auf die anatomi-sche Constitution der Organe zurückführen, im zweitenFalle die Raumvorstellung als dem Bewusstsein angeborenbetrachten. Ebenso kann der Empirismus entweder an-nehmen, dass die Eindrücke Symbole der Dinge sind,die wir nach unserer frühem Erfahrung deuten, odermit Helmholtz ein Grundprincip, wie etwa die Causalität,hinstellen. Der Nativismus setzt eine prästabilirte Har-monie zwischen den Gesetzen des Denkens und denender äussern Welt voraus, während der Empirismus dieUebereinstimmung, welche zwischen der Aussenwelt undunseren Vorstellungen bestehen kann, aus der Erfahrungabzuleiten sucht. Es hat sich auch gezeigt, dass die