44
DIB DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
gen, und mit diesem Steigen ist ein nisus zur Repro-duction aller Uebrigen verbunden, dessen Geschwindigkeitgenau dieselben Abstufungen hat, wie die zuvor ge-schehene Verschmelzung. Jede Vorstellung weist alsoallen ihre Plätze an, in denen sie sich neben und zwi-schen einander lagern müssen; während doch der Actusdes Vorstellens rein intensiv ist und bleibt“ 1 ). Diese„Reihentheorie“ hat Lotze mit Recht zu der BemerkungAnlass gegeben, dass manche Reihen, z. B. die Tonleiter,ohne Unterschied von unten nach oben, wie von obennach unten durchlaufen werden können, ohne dass deshalbdie geringste Anschauung vom Raume zu Stande käme;und andere Kritiker 2 ) haben behaupten können, dass dieseErklärung des Raumes den Begriff des Raumes selbstvoraussetze.
3. Es ist nicht unsere Aufgabe, Herbart’s Psycho-logie bis ins Einzelne zu verfolgen, und da wir dasWesentliche schon im Vorhergehenden gebracht haben,so brauchen wir uns jetzt nur noch bei seinen Theorienüber das Gefühl und das Ich aufzuhalten.
Für Herbart sind alle psychischen Zustände ohneAusnahme Vorstellungen. Gefühl, Neigung, Gemiiths-bewegung, Begehren, Leidenschaft u. s. w. bilden keinebesondere, den Vorstellungen gegenüberstehende Art.Die Erscheinungen des Gefühls sind nicht einfacherNatur; sie zeigen keine wesentlich verschiedenen Merk-male; sie dürfen nicht unter eine besondere Gruppe ge-bracht werden. Jedoch sind die Gefühle nicht Vorstel-lungen, sondern einfach Beziehungen. Die besonderen
b Psychologie, Werke, Bd. VI, 120.a ) Zeitschrift für Philosophie 1866, Bd. 1, 2.