HEBBART. 39
andern Falle ist zwischen ihnen keine gegenseitigeHemmung, sie können sich also gänzlich verbinden.“
I. Vorstellungen aus verschiedenen Continuen könnensich gänzlich verbinden, so dass sie nur eine Kraft aus-machen, und als solche in Rechnung kommen. Der-gleichen Verbindungen nennt Herbart eine voll-kommene Complication (Ton und Farbe). Vor-stellungen aus einerlei Continuum können sich wegen desunter ihnen stattfindenden Gegensatzes nicht gänzlichverbinden. Dergleichen Vereinigungen nennt HerbartVerschmelzungen (roth und blau).
II. Die Verknüpfung der Vorstellungen wird ge-lockert.
Erster Fall. Die beiden Vorstellungen stehenim vollen Gegensätze und haben gleiche Inten-sität. Es seien zwei Vorstellungen A und B, jede vonder Intensität 1 gegeben, und sie mögen in vollem Gegen-sätze zu einander stehen, wie Roth zum Gelb. Soll dieHemmung für A gleich Null werden, so muss B voll-ständig verschwinden. Da aber jede Vorstellung sich zuerhalten strebt und beide mit gleicher Intensität einanderwiderstreben, so folgt, dass jede die Hälfte ihrer ursprüng-lichen Intensität verlieren wird.
Zweiter Fall. Die beiden Vorstellungen A undB stehen in vollem Gegensatz und haben ver-schiedene Intensität. Sei die Intensität von A = a,die von B = b, wo ayb ist. In diesem Falle muss dieHemmungssumme = b , d. h. gleich der Intensität derschwächern Vorstellung sein, weil es genügt, dass dieschwächere Vorstellung verschwindet, damit der Gegen-satz aufhört.