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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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301
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Sechzehntes Kapitel.

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Theil" '), denn das Erste thut der Kluge, daS Zweite der Recht-schaffene, weil der Kluge auf seinen Vortheil ausgeht, der Rechtschaf-fene dagegen auf das Schöne. In Fallen aber, wo ein die Handlungbestimmender sittlicher Grundsatz nicht einlcuchtet, da muß man denbestimmenden Grund direkt ansuhren; fwic Sophokles thut. Ein Bei-spiel ist die Stelle aus der Antigone, wo dieselbe als Grund dafür,daß ihr der Bruder mehr am Herzen lag, als Mann und Kinder, an-sührt: die letzteren könne man wieder bekommen, wenn man sie verlöre,

Doch wenn zum Hades ging hinab das Elternpaar

Da sprosset niemals mehr ein Bruder wieder auf) 2-.

In Fällen aber, wo du einen Grund nicht in Bereitschaft hast, nun,da mußt du sagen: du wissest recht gut, daß das, was du sagst, un-glaubhaft aussehe, aber du seiest nun einmal von Natur ein Mann,der so denke und handle. Denn die Menschen glauben einmal nicht,daß Einer, wenn er die Wahl habe, etwas Anderes thue, als das, wasihm Nutzen bringt.

^Unbekannt woher.

2) Ich habe diesen Sah als »nächten Zusatz eines spateren Lesers inKlammern eingeschlossen, froh, den Nuf des Aristoteles davor bewahren zu kön-nen, daß er das albernste aller albernen Einschiebsel, mit denen Iophon undGenossen die Tragödie des Sophokles (und nicht bloß die Antigone!)langund kalt" gemacht haben, als Sophokleische Poesie bezeichnet, und gar als einBeispiel geschickter Begründung angeführt hätte. Die Interpolation verräth sichdeutlich durch die Sprache (zumal durch das ro Lx

für jeden Kenner Aristotelischer Sprachweise. Was aber die Stelleder Antigone selbst in ihrer heutigen Gestalt augeht, so hat Adolf Scholl Nechtgethan, die sechzehn Verse aus dem Texte zu werfen. (Vgl. Schöll zur ttebers.der Antigone S. l3914 1, Einl^ S. S8). Sie sind daS Einfältigste, wasje ein Poesieverderber ausgedacht hat, wenn auch noch so viele große Philologensie gläubig als erhabene Sophokleische Poesie hiugenommen haben. EinGoethefreilich empfand anders. Er hielt diese Verse für das, was sie sind, (Gesprächemit Eckermann IH, S. 129), und würde sich sehr gefreut haben, wenn er ge-wußt hatte, daß schon damals ein scharfsinniger AlterthumSforscher, der freilichwegen seiner paradoxen Form den Philologen ein Greuel war. dieß alberneEinschiebsel als ein solches bezeichnet hatte (s. G. A. Hei gl über Sophokles'Antigone und Elekrra, Passau bei Pustet 1828, S- 83 u. 124). Was dieAristotelische Stelle betrifft, so hat schon der alte Heidelberger Professor Aenü«liuS PvrtuS (1598) in seinem Eommentare (p. 349) die Hand des Interpo-lators gemerkt. Auch Schöll a. a. O. S- 68 hält das Citar fürgar nichtgesichert".